Neuer Vorstoß: Traditionelle Krankschreibung steht vor dem Aus

Ein gelber Schein vom Arzt, auf dem "Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" steht. Dahinter ist ein zweiter Zettel, auf dem die Diagnose (hier "Tuberkulose") erfolgt. In Baden-Württemberg sind die Menschen am seltensten krankgeschrieben.
Symbolbild © imago/Steinach

Nun steht die traditionelle Krankschreibung offenbar vor dem Aus. Es gibt neue Vorstöße in der Politik, die es in sich haben. Die Menschen reagieren zu Recht verwirrt. 

Erneut ist ein politischer Streit um eine unscheinbare, aber alltagsrelevante Regel entbrannt. Und nun steht die traditionelle Krankschreibung eventuell vor dem Aus. Die Menschen reagieren darauf verwirrt.

Ein neuer Vorstoß ist nun in Planung

Die traditionelle Krankschreibung via Telefon soll abgeschafft werden – zumindest wenn es nach dem Willen der von Friedrich Merz geführten CDU geht. Der Vorstoß wurde auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart beschlossen und sorgt für breite Debatten über Arbeitskultur und Gesundheitspolitik. Seit der Coronapandemie kann man die traditionelle Krankschreibung auch telefonisch erhalten. Seit Dezember 2023 können Patienten, die einer Praxis bekannt sind und leichte Symptome wie zum Beispiel eine Erkältung haben, bis zu fünf Kalendertage telefonisch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten. Eine Verlängerung dieser Krankschreibung erfordert dann einen Praxisbesuch.

Die CDU begründet ihren Vorstoß damit, dass durch die Möglichkeit, sich telefonisch krankzumelden, die Hemmschwelle sinkt, sich krankzumelden, und es so zu mehr Fehlzeiten kommt. Bundeskanzler Merz hat wiederholt betont, dass der Krankenstand in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu hoch sei. Doch genau dieser Vorstoß, die traditionelle Krankschreibung telefonisch abzuschaffen, stößt auf erhebliche Kritik. Vertreter von Gewerkschaften, Gesundheitsverbänden und Sozialdemokraten warnen davor, Krankmeldungen zu erschweren. Denn insbesondere die telefonische Krankmeldung dient dazu, Ansteckungen im Wartezimmer zu verhindern und die Arztpraxen zu entlasten. Zudem gebe es kaum empirische Belege dafür, dass die telefonische Krankschreibung zu Missbrauch und erhöhten Fehlzeiten führt.

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Jetzt könnte das Ende kommen

Zudem betonen Ärzteverbände und Krankenkassen, dass der Anteil der telefonisch ausgestellten Krankschreibungen mit unter zwei Prozent verschwindend gering ausfällt. Zahlen der Krankenkassen und Gesundheitsinstitute zeigen zudem, dass der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland – gemessen an Fehltagen – im Jahr 2025 bei etwa 14,5 bis 19,5 Tagen pro Beschäftigtem lag.

Der Unterschied in den Zahlen hängt jedoch davon ab, ob man nur Arbeitstage oder auch Kalenderfehltage zählt. Dieser Vergleich wird in den politischen Debatten vielfach als Argument angeführt.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Parteitagsbeschluss CDU)