
Die Herausforderungen werden immer größer – und nun soll ausgerechnet eine Zuckersteuer das Gesundheitssystem retten. Die mögliche Abgabe für das süße Lebensmittel ist umstritten, zeigt in anderen Ländern jedoch bereits Wirkung.
Eine neue Steuer würde Zucker unattraktiver machen. Viele Experten befürworten die Idee, während andere sie strikt ablehnen. Das steckt hinter dem aktuellen Vorstoß.
Knallharte Forderung: Zucker-Steuer soll Gesundheitssystem entlasten
Er steckt in Desserts, Schokolade, Fertigmahlzeiten und Getränken. Zucker ist kaum aus der Küche wegzudenken. Pro Kopf essen die Deutschen über 30 Kilogramm des süßen Lebensmittels. Weil er im Gehirn wirkt und Dopamin ausschüttet, sorgt Zucker kurzfristig für Glücksgefühle. Ein bewusster Entzug nach einem besonders hohen und regelmäßigen Konsum kann zunächst Müdigkeit, Heißhunger und Gereiztheit verursachen, bevor Betroffene später von mehr Ausgeglichenheit berichten.
Mediziner sind sich einig: Grundsätzlich ist der Zuckerkonsum in Deutschland zu hoch, auch bei Kindern. Vor allem in Kombination mit einer einseitigen Ernährung und wenig Bewegung werden Krankheiten begünstigt. Dazu gehören allen voran Adipositas, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dadurch steigen die Kosten im Gesundheitswesen, das ohnehin mit finanziellen und strukturellen Herausforderungen kämpft. Deshalb will unter anderem der Kassenärzte-Chef Andreas Gassen eine Zuckersteuer. Auch eine Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro pro Quartal sowie höhere Alkohol- und Tabaksteuern schlägt er vor.
Weniger Fettleibigkeit: Wo die Steuer bereits Wirkung zeigt
Die Preise für zuckerhaltige Produkte wie Softdrinks und Süßigkeiten könnten damit steigen. Insbesondere würde wohl auch der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sinken, wie Erhebungen aus Großbritannien zeigen. Dort existiert die Zuckersteuer für die Getränkeindustrie, auch bekannt als „Soft Drinks Industry Levy“, seit 2018. Die Cambridge University sieht einen Zusammenhang zwischen der Einführung der Abgabe und der sinkenden Fettleibigkeit bei jungen Mädchen.
Neue Abgaben wie die Zuckersteuer reichen nach Meinung von Kritikern jedoch längst nicht aus, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu stützen, und würden ein falsches Signal senden. Deshalb gibt es reichlich Gegenwind. Während frühere Umfragen ein anderes Bild zeichnen, zeigt eine aktuellere Erhebung des Verbraucherzentrale Bundesverbands jedoch, dass fast 80 Prozent der Bürger für eine Zuckersteuer sind. Eine Einführung sieht die derzeitige Regierung bisher nicht vor. Deshalb bleibt es vorerst nur bei einer allgemeinen Forderung.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Interview)














