Oben ohne im Freibad: Viele Badegäste kennen diese Regeln nicht

Eine Frau steigt ins klare, blaue Wasser eines Schwimmbades ein. Sie ist obenrum nicht bedeckt, ihren Bikini hält sie in der Hand und hat aber eine Badehose, den Teil eines Bikinis an. Sie geht also oben ohne ins Wasser eines öffentlichen Bades.
Symbolbild © imago/Christian Ender

Oben ohne auf der Wiese im Schwimmbad oder im Freibad – das ist für die meisten Badegäste ein Tabubruch. Doch so einfach, wie viele denken, ist die Lage nicht, und bestimmte Regeln in diesem Zusammenhang werden leider sehr schnell ignoriert und vergessen.

Sommerzeit ist Badezeit ist Schwimmzeit und jetzt, Ende Mai, geht es so gut wie selten zu vor so früh im Jahr. Doch in Freibädern gelten bestimmte Regeln, und viele Badegäste kennen nicht alle, die rund um das ewige Thema „oben ohne“ in Deutschland vorherrschen.

Hinter der Sommerdebatte steckt ein Thema, das viele erst auf den zweiten Blick bemerken

Kaum steigen die Temperaturen, beginnt in vielen Freibädern wieder dieselbe Diskussion. Während Männer ihren Oberkörper fast überall selbstverständlich frei zeigen dürfen, gelten für Frauen oft ganz unterschiedliche Vorgaben. Genau das sorgt inzwischen in vielen Städten für Verwirrung. Ein deutschlandweites Verbot für Frauen, oben ohne zu baden oder zu sonnen, existiert dabei aber gar nicht. Stattdessen legen die Betreiber der Freibäder ihre Regeln meist selbst fest. Deshalb kann sich die Situation bereits im Nachbarort deutlich unterscheiden. Manche Bäder setzen inzwischen auf geschlechterneutrale Vorschriften, andere halten an älteren Regelungen fest.

Verbraucherschützer und Rechtsportale empfehlen, die Hausordnung vor dem Freibadbesuch kurz online zu prüfen. Gerade bei beliebten Ausflugszielen vermeiden Badegäste dadurch Diskussionen mit dem Personal oder unangenehme Missverständnisse am Beckenrand. Die Debatte geht dabei längst über Freibäder hinaus. Auch an Badeseen, Stadtstränden und öffentlichen Liegewiesen beschäftigen sich Kommunen zunehmend mit Fragen rund um Gleichbehandlung und persönliche Freiheit.

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Einen wichtigen Wendepunkt gab es in Berlin. Nach einer Beschwerde wegen Ungleichbehandlung stellten die Berliner Bäderbetriebe klar, dass das Baden ohne Oberteil für alle Personen gleichermaßen erlaubt ist. Seitdem gilt dort eine geschlechtergerechte Auslegung der Badeordnung. Ähnliche Entwicklungen folgten später unter anderem in Köln, Frankfurt, Hannover, Göttingen und Siegen. Trotzdem bleibt die Lage bundesweit uneinheitlich.

Einige Freibäder erlauben oben ohne auf Liegewiesen, verlangen beim Schwimmen jedoch weiterhin bestimmte Badebekleidung. Genau deshalb entscheiden vielerorts weiterhin die jeweiligen Haus- und Nutzungsordnungen über die konkreten Regeln. Auch an Seen ist die Situation oft weniger streng als viele vermuten. Ohne spezielle Verbote oder Badeordnungen ist Nacktheit in Deutschland nicht automatisch untersagt. Erst wenn andere Personen belästigt werden oder ein öffentliches Ärgernis entsteht, können rechtliche Probleme entstehen. Für viele Badegäste bleibt deshalb ein einfacher Tipp besonders hilfreich: Vor dem Ausflug kurz die Internetseite des Freibads oder der Kommune prüfen.

(Quellen: Kommunen, Freibadbetreiber, Gleichstellungsdebatte, dpa)