
Ob sich das Arbeiten noch lohnt, ist fraglich – sagen einige Bürgergeld-Empfänger. Das bestätigt jetzt auch ein Experte, der alles durchgerechnet hat. Die geplante Reform der Regierung wird wohl nur bedingt helfen, kritisiert der Ökonom.
Jobcenter-Mitarbeiter bestätigen in einer Umfrage, dass sich Arbeit wohl nicht mehr lohne. Ein Experte untermauert die Annahme. Er erklärt, warum ein Job mit gutem Einkommen sich nicht immer rentiert.
Experte erklärt, warum das Arbeiten sich nicht mehr lohnt
Das Bürgergeld in seiner jetzigen Form sorgt für Kritik. Die Ausgaben sind hoch, die fehlenden Anreize ebenfalls. Deshalb strebt die Bundesregierung eine Reform an. Ziel ist es, das Budget für Sozialleistungen deutlich zu reduzieren und die Arbeitsmotivation zu stärken, damit wieder mehr Menschen ins Berufsleben einsteigen. Doch die derzeitigen Reformpläne würden nicht ausreichen, sagen einige Experten. Dazu gehört auch Ökonom Andreas Peichl. Er leitet das ifo-Zentrum für Makroökonomik und Befragungen.
Peichl verweist auf strukturelle Probleme im deutschen Sozialsystem. Er kritisiert, dass staatliche Hilfen, von denen es viele unterschiedliche gibt, nicht immer miteinander kompatibel sind. Mehrarbeit würde sich deshalb nicht immer lohnen, weil ein höherer Verdienst zu weniger Unterstützungsleistungen führt. Demnach bedeutet mehr Arbeit am Ende des Tages nicht automatisch mehr Netto im Geldbeutel, so die Kernaussage des Wissenschaftlers, der alles durchgerechnet hat. Um die Auswirkungen verschiedener Reformen zu überprüfen, hat Peichl über 60 potenzielle Möglichkeiten analysiert. Er fordert nun eine gesamtstaatliche Betrachtung und nicht nur, dass man sich auf die Kürzungen im Bundeshaushalt fokussiert.
Sogar Mitarbeiter des Jobcenters bestätigen es
Ob sich das Arbeiten in Deutschland lohnt, wurde bereits im vergangenen Jahr hitzig diskutiert. Einige empfinden das Bürgergeld im Verhältnis zu einer Vollzeittätigkeit als zu hoch, während andere weitere Erhöhungen fordern. Als Herausforderung sehen Experten vor allem Beschäftigungen im Niedriglohnsektor an. Eine ifo-Studie aus 2024 kommt zum Schluss, dass Arbeiten ‒ im Vergleich zum Nichtstun ‒ grundsätzlich jedoch zu mehr verfügbarem Einkommen führt. Etwas kritischer sehen es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Beschäftigten der Jobcenter: Über 70 Prozent bestätigen demnach, dass sich ein Job im Vergleich zum Bürgergeld nicht mehr rentiert. Spätestens im Herbst 2025 soll eine Reform des Bürgergelds kommen.














