Scheitert das neue KSC-Stadion? Streit erreicht neuen Höhepunkt!

Symbolbild Foto: Stadt Karlsruhe

Karlsruhe (dpa/lsw) – Ein Dauerbrenner und kein Ende: Seit mehr als 20 Jahren streiten der Karlsruher SC und die Stadt immer wieder über den Um- und Neubau des Wildparkstadions.

Nach dem langersehnten Baubeginn im vergangenen November entflammte der Konflikt nun erneut – und landet vor Gericht.

Dabei geht es um Details der Bauausführung und die Frage, welche Kosten der Fußball-Zweitligist eventuell selbst übernehmen muss.


Wie war die Ausgangslage?

Der KSC brauchte eine neue Arena, um die Lizenz für den Profifußball mittelfristig sicherstellen zu können. Das bisherige Stadion war völlig veraltet, ihm fehlte es an Komfort und vor allem an ausreichenden Vermarktungsmöglichkeiten. Das Problem: Für einen Neubau fehlt dem Verein das Geld.

Welche Rolle spielt die Stadt?

Nach jahrzehntelangen Diskussionen beschloss die Stadt, das neue Wildparkstadion für rund 123 Millionen Euro von einem sogenannten Totalunternehmer bauen zu lassen. Mit dem Bauprojekt will sie den Club als einen ihrer größten Imageträger erhalten.

Bezahlt die Stadt das gesamte Stadion? 

Sie lässt es auf eigene Rechnung bauen. Der KSC verpflichtete sich aber im Gegenzug, die Bausumme in den nächsten 35 Jahren in Form von Pachtzahlungen abzustottern. Bauliche Sonderleistungen am Stadion kann der Verein in der Planungsphase gegen Bezahlung bestellen.

Warum streiten die Parteien nun wieder?

Der KSC fühlt sich als künftiger Pächter von der Stadt ausgegrenzt und moniert, dass er keinen Einblick in den Vertrag mit dem Totalunternehmer erhält. Ohne Kenntnis über dessen Leistungspflichten könne er dessen Angebote für Sonderleistungen nicht seriös prüfen.

Dabei geht es zum Beispiel um die Festverkabelung von Kamerapositionen, Steckdosen für elektronische Werbebanden oder die adäquate Klimatisierung von Logen, Gaststätte und Fanshop – und die Frage, für welche Kosten der Verein eventuell selbst aufkommen muss.
Die Stadt lehnt einen Einblick in den Vertrag jedoch kategorisch ab.

Was hat es mit den ominösen «48 Säulen» auf sich?

Die 48 tragenden Säulen im VIP-Bereich sind besonders umstritten. Sie vermitteln dort laut KSC eine «Tiefgaragen-Atmosphäre» und machen ihn unvermarktbar. Der KSC sieht hier einen vertraglichen Anspruch auf freie Sicht zur Präsentationsbühne. Das hält die Stadt trotz einer entsprechende schriftlichen Fixierung für baulich zu teuer. Sie droht
im Falle eines Umsetzungszwangs damit, anderswo im Stadion die entsprechenden Mehrkosten einzusparen. Der KSC hat einen Kompromissvorschlag mit 44 Säulen gemacht.

Ist das Urteil des Gerichts bindend?

Nein, beide Parteien könnten noch einmal in Berufung gehen. Das würde den schon bestehenden Zeitdruck für das Projekt aber dramatisch erhöhen. Im Erfolgsfall könnte der KSC aber auch aus taktischen Gründen auf eine Zustellung der einstweiligen Verfügungen an die Stadt binnen 30 Tagen verzichten – und damit auf ihre Durchsetzung.