
Es ist ein trauriger Tiefstand: Deutschland hat mittlerweile so wenig Azubis wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Warum sich viele junge Menschen heute gegen eine Ausbildung entscheiden – und was die Entwicklung für das Land bedeutet.
Statt Azubi-Leben soll es der Influencer-Lifestyle werden. Seit Jahren schon stehen klassische Ausbildungen nicht mehr auf der Karriereliste. Jetzt hat Deutschland einen besonders tragischen Punkt erreicht.
Mangel spitzt sich zu: So wenig Azubis wie lange nicht mehr
Content Creator sind bei der Gen Z beliebt – auch als Vorbild für den eigenen Karriereweg. Was vor allem Ältere hinterfragen und kritisieren, ist kaum noch abzuwenden: Mindestens 20 Prozent der Jugendlichen können sich heute einen Influencer-Job vorstellen, wie eine Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.
Klassische Ausbildungen scheinen hingegen weniger angesagt zu sein, zumindest bei einem Teil der jungen Leute. Lieber studieren wollen, zu wenig Orientierung nach dem Abschluss, schlechte Arbeitsbedingungen – über die Gründe wird gestritten. Zahlreiche Azubi-Stellen hätten laut Bundesagentur für Arbeit (BA) im September noch vergeben werden können. An der Zahl waren es Ende des Monats 54.000 Stück.
BA-Chefin bestätigt: Deutschland fehlen die jungen Bewerber
Jetzt bestätigt auch die BA-Chefin Andrea Nahles die traurige Entwicklung. Die Bewerberzahlen befinden sich demnach auf einem Tiefstand. Zuletzt gab es eine vergleichbare Situation vor mehr als 25 Jahren. Hinzu kommen die massiven Herausforderungen für Ausbildungsbetriebe: Wegen der schwierigen Wirtschaftslage stellen Unternehmen insgesamt weniger Stellen für Azubis zur Verfügung, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) vermeldet. Für 2025 gaben demnach mehr als 25 Prozent an, weniger Lehrstellen anbieten zu wollen.
Weil Betriebe nach wie vor einen Fachkräftemangel haben, spitzt sich die Situation durch fehlende Nachwuchskräfte für das Land jedoch weiter zu. Damit ist klar: Sowohl in der Pflege als auch in anderen Bereichen wie Handwerk, Bildung und Soziales wird ausgebildetes Personal in Zukunft wohl fehlen. Attraktivere Arbeitsbedingungen, aber auch verbesserte Orientierungsangebote und Unterstützung während der Schulzeit könnten dazu beitragen, wieder mehr junge Menschen für den Ausbildungsweg zu begeistern. Eine einfache oder schnelle Lösung existiert derzeit allerdings nicht.
(Quellen: Eigene Recherche der ka-insider-Redakteure, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung)













