Sonntags-Aus: Tradition verschwindet an der Ostsee für Touristen

Der Blick auf eine bekannte Promenade am Strand an der Ostsee. Im Hintergrund kann man eine Überseebrücke erkennen. Viele Menschen laufen die Promenade entlang und genießen das schöne Wetter.
Symbolbild © imago/Susanne Hübner

Für viele Urlauber gehört es fest dazu: ein entspannter Sonntagsspaziergang an der Ostsee, gefolgt von einem Bummel durch die geöffneten Geschäfte. Doch genau diese Tradition steht jetzt auf der Kippe. Ein Gerichtsurteil aus Mecklenburg-Vorpommern sorgt aktuell für große Unsicherheit bei Händlern und Touristen.

Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat die bisherige Verordnung über die Öffnungszeiten für touristische Orte für unwirksam erklärt. Diese Verordnung hatte es ermöglicht, dass Geschäfte in vielen Ostseebädern und Urlaubsorten an zahlreichen Sonntagen im Jahr öffnen durften. Genau diese Praxis sieht das Gericht nun kritisch.

Folgen für Touristen an der Ostsee: Gericht kann beliebte Tradition kippen

Die Richter argumentieren, dass die Regelung den verfassungsrechtlich geschützten Sonntag zu stark aufweicht und das Verhältnis von Ausnahme und Regel nicht mehr stimmt. Für Urlauber bedeutet dies, dass die gewohnte Sonntagsöffnung in Zukunft deutlich eingeschränkt werden könnte. Besonders betroffen wären klassische Ferienregionen wie Rügen, Usedom oder Warnemünde, wo das Einkaufen am Sonntag bislang zum festen Bestandteil des Urlaubs gehörte.

Allerdings gilt aktuell noch eine wichtige Einschränkung: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Land Mecklenburg-Vorpommern wartet zunächst auf die schriftliche Begründung und prüft weitere rechtliche Schritte. Bis dahin können Geschäfte vorerst weiterhin wie gewohnt öffnen. Langfristig könnte sich die Lage jedoch grundlegend ändern. Sollte das Urteil Bestand haben, stünde das Bundesland plötzlich ohne gültige Regelung für Sonntagsöffnungen da. Händler dürften dann an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich nicht mehr öffnen, es sei denn, die Politik schafft schnell eine neue, rechtssichere Regelung.

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Mecklenburg-Vorpommern wollte mit anderen Urlaubsregionen mithalten und hatte deshalb großzügige Öffnungszeiten ermöglicht. In bis zu 84 touristisch geprägten Gemeinden durften Läden an vielen Sonntagen im Jahr öffnen. Das Urteil sorgt nun für unterschiedliche Reaktionen. Gewerkschaften begrüßen die Entscheidung und sehen darin einen wichtigen Schutz für Arbeitnehmer und den arbeitsfreien Sonntag.

Vertreter aus Handel und Tourismus warnen hingegen vor wirtschaftlichen Folgen. Gerade an Wochenenden erzielen viele Geschäfte einen großen Teil ihres Umsatzes. Für Urlauber bleibt die Situation vorerst unübersichtlich. Kurzfristig ändert sich wenig, doch mittelfristig könnte sich das Einkaufserlebnis an der Ostsee deutlich verändern. Wer künftig sonntags einkaufen möchte, muss möglicherweise umdenken.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, OVG Mecklenburg-Vorpommern, NDR, ver.di, DGB, Handelsverband Nord)