Tausende Unternehmen: Pleite-Welle geht in Deutschland weiter

Die großen Schaufenster eines Geschäftes sind voll mit Plakaten und Schildern, die die Kunden darauf hinweisen, dass es sich hier um einen Räumungsverkauf handelt und diese Filiale schließen wird. Auf den Plakaten und Schildern steht: "Jetzt oder nie", "Schluss aus raus", "Totaler Räumungsverkauf" und "Wir schließen diese Filiale". Einige Menschen gehen an der Filiale vorbei. Durch ihre Bewegung und die Momentaufnahme der Kamera sind ihre Gesichert verschwommen.
Symbolbild © imago/Wolfgang Maria Weber

Steigende Kosten, schwache Konjunktur und wachsende Unsicherheit setzen vielen Betrieben zu. Die Pleite-Welle geht in Deutschland weiter, Experten schlagen Alarm und warnen vor zusätzlichen Belastungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaft kämpft, viele Betriebe stehen unter Druck – und die neuesten Zahlen zeigen: Hinter den Kulissen spitzt sich die Lage weiter zu.

Immer mehr Firmen müssen aufgeben

Während viele Menschen auf bessere Nachrichten für die deutsche Wirtschaft hoffen, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Die Zahl der Firmenpleiten steigt weiter an – und Experten schlagen Alarm. Die tatsächliche Lage könnte sogar noch deutlich ernster sein, als die aktuellen Zahlen vermuten lassen. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden bundesweit 6.275 Unternehmensinsolvenzen bei den Amtsgerichten registriert. Das sind 6,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besonders dramatisch fiel der Anstieg im März aus: Hier schnellte die Zahl der Firmenpleiten um 15,8 Prozent nach oben.

Der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, spricht von einem deutlichen Warnsignal an die Politik. Nach seinen Worten mussten im März so viele Unternehmen schließen wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Vor allem hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten setzen vielen Betrieben zu. Besonders betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen, die oft nur begrenzte finanzielle Reserven haben. Auch die Gläubiger spüren die Folgen. Zwar summierten sich die Forderungen aus den Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal auf rund 9,3 Milliarden Euro und lagen damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 19,9 Milliarden Euro. Der Grund dafür ist jedoch keineswegs Entspannung: Im Vorjahr hatten mehrere Großunternehmen Insolvenz angemeldet und die Schadenssumme nach oben getrieben.

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Arbeitsmarkt gibt trügerische Hoffnung

Besonders häufig traf es zuletzt Unternehmen aus den Bereichen Verkehr und Lagerei sowie das Gast- und Baugewerbe. Auf 10.000 Unternehmen kamen im ersten Quartal durchschnittlich 17,7 Insolvenzen. Fachleute erwarten, dass die Zahlen in den kommenden Monaten weiter steigen werden. Gleichzeitig sorgt eine andere Statistik für Verwirrung. Erstmals seit Monaten sank die Zahl der Arbeitslosen wieder unter die Marke von drei Millionen Menschen. Doch von einer echten Entspannung kann keine Rede sein. Selbst die Bundesagentur für Arbeit sieht weiterhin keine Trendwende.

Der Rückgang beruht vor allem auf einem bekannten Frühjahrseffekt. Mit steigenden Temperaturen stellen Branchen wie Bauwirtschaft und Gastronomie traditionell mehr Personal ein. Eine nachhaltige Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt ist bislang jedoch nicht erkennbar.

(Quellen: dpa, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)