Unfassbare Szenen in Pflegeheim: Bedürftige müssen in Tüchern getragen werden

Originalbild: Aaron Klewer/Einsatz-Report24

Karlsruhe / Schönbrunn / RNK – Was passiert, wenn im Seniorenheim der Aufzug ausfällt, die Aufzugsfirma plötzlich nicht mehr erreichbar ist und mehrere schwerstpflegebedürftige Bewohner dringend in die Patientenzimmer zurück müssen, wurde am gestrigen Donnerstagabend in Schönbrunn-Schwanheim im Rhein-Neckar-Kreis bittere Realität.

Im dortigen Seniorenheim Parkblick war bereits am Mittag der Aufzug kaputt gegangen. Der Servicetechniker, der im Rahmen eines 24 Stunden Vollwartungsvertrages daraufhin in das Seniorenheim kam, setzte den Aufzug wieder in Betrieb. Doch gegen 17.30 Uhr fiel der Aufzug dann erneut aus.

Das Seniorenheim wandte sich daraufhin erneut an die Aufzugsfirma, erhielt jedoch nun vom zuständigen Techniker die unfassbare Antwort, dass er heute nicht mehr kommen könne, da er ansonsten die gesetzliche, maximale Arbeitszeit von 10 Stunden überschreiten würde.

Nachdem die Leitung des Seniorenheims bei der Aufzugsfirma mehrfach vehement darauf hingewiesen hatte, dass man einen Vollwartungsvertrag mit garantiertem 24-Stunden rund um die Uhr Störungsbeseitigungsservice abgeschlossen hätte, versuchte die Aufzugsfirma einen anderen Techniker nach Schwanheim zu schicken.

Nachdem man von Seiten des Seniorenheimes mehrmals nachgefragt hatte, wie denn nun der Stand der Dinge wäre, teilte die Aufzugsfirma um 19:50 Uhr mit, dass kein anderer Techniker zur Verfügung stehen würde, und das Seniorenheim solle sich an den Notruf wenden.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch sechs schwerstpflegebedürftige Bewohner im Speisesaal des vierstöckigen Seniorenheims, (die restlichen Bewohner hatte das Personal des Seniorenheims bereits selbst in ihre Zimmer gebracht) die von den Mitarbeitern des Seniorenheims aufgrund des Gewichtes kräftemäßig nicht auf die entsprechenden Stockwerke getragen werden konnten.

Die Leitung des Seniorenheims rief nun, wie von der Aufzugsfirma vorgeschlagen, in der Rettungsleitstelle Rhein-Neckar an und schilderte den Fall. Hier erhielt man nun die Auskunft, dass laut den bestehenden gesetzlichen Regelungen es sich hier nicht um einen Notfall handeln würde, und somit die Feuerwehr bzw. auch andere Rettungsdienste hierfür nicht zuständig wären, man solle weiter versuchen, dass die Aufzugsfirma einen Techniker schicke. Wie ein Verantwortlicher des Pflegeheimes unserem Fotografenteam vor Ort mitteilte, gab es aber bereits Kreislaufbeschwerden einiger Bewohner. Es wäre also durchaus ein dringendes Handeln notwendig gewesen.

In ihrer Not, da offensichtlich niemand bereit war hier schnelle Unterstützung zu geben, was dringend notwendig war, da die Bewohner aufgrund ihres Gesundheitszustandes endlich ins Bett gebracht werden mussten, wandte sich die Leitung des Seniorenheims an die Haus- & Wildtierrettung Neckartal-Odenwald & Greifswald/Ostsee.

Da die Trägergesellschaft des Seniorenheims, die Haus- & Wildtierrettung Neckartal-Odenwald & Greifswald/Ostsee in der Vergangenheit immer wieder durch Spenden und auch logistisch unterstützt hatte, war es für die Organisation selbstverständlich hier zu helfen.

Die Verantwortlichen schilderten die Notsituation, woraufhin sich mehrere Mitglieder mit dem für solche Fälle ausgestatteten Einsatzfahrzeug umgehend auf den Weg nach Schönbrunn machten.

Die sechs Bewohner wurden dann von den Mitgliedern der Haus- & Wildtierrettung und den Mitarbeitern des Seniorenheims mittels unserem Tragetuch die Treppen hochgetragen und dort in ihre Betten gelegt.