
Mit den steigenden Temperaturen beginnt nicht nur die Mückensaison. Gesundheitsbehörden und Wissenschaftler beobachten auch die weitere Ausbreitung eines Virus‘, das mittlerweile dauerhaft in Deutschland angekommen ist. Gemeint ist das West-Nil-Virus, das durch heimische Stechmücken übertragen wird und sich nach Einschätzung von Experten zunehmend in verschiedenen Regionen des Landes etabliert.
Lange galt das West-Nil-Virus als Problem wärmerer Länder. Inzwischen sieht die Lage anders aus. Bereits seit mehreren Jahren werden in Deutschland lokale Infektionen registriert. Besonders betroffen waren bislang Regionen in Ostdeutschland. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass sich das Virus weiter ausbreiten kann, da die Überträger längst heimische Mückenarten sind.
24.000 Stechmücken im Labor: Hohe Infektionsraten und schwere Symptome
Für neue Aufmerksamkeit sorgt eine aktuelle Studie der Berliner Charité. Die Forscher fanden heraus, dass das West-Nil-Virus in Berlin inzwischen fest etabliert ist. Für die Untersuchung wurden rund 24.000 Stechmücken eingefangen und analysiert. Dabei stellten die Wissenschaftler überraschend hohe Infektionsraten fest. Nach ihren Erkenntnissen vermehrt sich das Virus inzwischen direkt vor Ort und wird nicht mehr nur von außen eingeschleppt.
Die meisten Menschen bemerken eine Infektion überhaupt nicht. Nach Angaben von Experten verlaufen rund 80 Prozent aller Ansteckungen ohne Symptome. Etwa jeder fünfte Infizierte entwickelt grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Gefährlich werden kann das Virus jedoch für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. In seltenen Fällen kann es zu schweren neurologischen Erkrankungen oder Gehirnentzündungen kommen.
Über 1.000 Infektionen: Mückenvirus breitet sich in Deutschland weiter aus
Auch europaweit wächst die Sorge. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1.100 Infektionen mit dem West-Nil-Virus gemeldet. Experten führen die Entwicklung unter anderem auf wärmere Sommer und längere Mückensaisons zurück. Dadurch können sich die Erreger in den Insekten besser vermehren und neue Regionen erreichen.
Gesundheitsbehörden empfehlen deshalb, sich insbesondere in den Sommermonaten vor Mückenstichen zu schützen. Dazu gehören lange Kleidung, Insektenschutzmittel und das Vermeiden von stehenden Wasserstellen im Garten, in denen sich Mücken vermehren können. Gerade ältere Menschen und Risikogruppen sollten diese Hinweise ernst nehmen. Das West-Nil-Virus ist längst kein rein tropisches Problem mehr. Die aktuelle Forschung zeigt, dass sich der Erreger in Deutschland zunehmend etabliert. Experten rechnen deshalb damit, dass auch künftig weitere Infektionen gemeldet werden.
(Quellen: Robert Koch-Institut, AFP, Eigene Recherche der Redaktion)














