Wehrpflicht: Auch ältere Jahrgänge sollen eingezogen werden

Viele Soldaten der EU in Uniform stehen bereit für eine Militär-Übung. Die Truppen stehen bewaffnet auf einem Flugplatz mit einem Flugzeug im Hintergrund. Sie tragen Rucksäcke und typisches Camouflage.
Symbolbild © imago/ZUMA Press Wire

Bislang wurden im Rahmen der Wehrpflicht immer nur junge Männer und Frauen verpflichtet. Doch nun erwägt die Bundesregierung, dass auch ältere Jahrgänge eingezogen werden sollen.

Aufgrund hohen Personalmangels muss sich die Bundesregierung etwas einfallen lassen und hat auch gleich einen Ansatz gefunden, wie sie dieses Problem lösen kann: Auch ältere Jahrgänge sollen nun eingezogen werden.

Zu wenige Soldaten: Bundesregierung will die Bundeswehr aufstocken

Derzeit gibt es in Deutschland ca. 183.000 aktive Soldaten. Die Verantwortlichen in der Bundesregierung sprechen von einem Defizit von ca. 20.000 Soldaten. Und auch die Ausrüstung der Bundeswehr muss erheblich aufgestockt und erneuert werden. Im Ernstfall könne man sich gar nicht verteidigen, so der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Einen ersten Ansatz, um diesem Defizit zu begegnen, hat die Bundesregierung bereits geliefert. Sie will um zusätzliche Soldatinnen und Soldaten werben und den Dienst etwa durch höhere Gehälter und mehr staatliche Vergünstigungen attraktiver machen. Doch man fürchtet, dass dies nicht ausreichen werde. Und so hat Pistorius einen weiteren Vorschlag gemacht, dem viel Kritik entgegenschlägt.

Auch ältere Jahrgänge sollen eingezogen werden: Kritiker zerreißen Vorschlag

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 wurden viele Jahrgänge von jungen Männern nicht mehr erfasst. Genau genommen handelt es sich dabei um die Jahrgänge 1993 bis 2007. Ab dem 1. Januar 2026 gilt, dass die Jugendlichen wieder zur Musterung müssen. Die entsprechenden Anträge werden zeitnah verschickt und gelten für alle ab 2008 geborenen Jungen. Dies reicht der Bundesregierung jedoch nicht, denn sie fürchtet, dass dies nicht ausreicht, um das Defizit von 20.000 Mann abzudecken.

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Deshalb sollen nun die Jahrgänge 1993 bis 2007 nachträglich erfasst werden, damit man im Ernstfall wisse, wo die jungen Menschen zu finden seien, so Boris Pistorius. Doch diesem Vorschlag weht ein heftiger Gegenwind entgegen. Die Männer der genannten Jahrgänge würden nun mitten im Berufs- und Familienleben stehen. Man könne sie nicht einfach nachträglich verpflichten, so die Kritiker. Die Linke spricht sich generell gegen eine Wehrpflicht aus. Der Bundesverteidigungsminister begründet seinen Vorschlag jedoch mit dem Argument, dass man nicht auf Pflicht, sondern auf Freiwilligkeit setze und die entsprechenden Jahrgänge im Falle einer vom Bundestag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit festgestellten nationalen Krise sowieso an die Waffen müssten. Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieser Vorschlag entwickelt und was er für die jungen Menschen bedeutet.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)