
Nach mehr als 100 Jahren Tradition muss ein deutsches Werk schrittweise seine Tore schließen. Zwar soll die Produktion vorerst weiterlaufen, aber über 600 Mitarbeiter verlieren bald ihre Jobs.
Die wirtschaftliche Schieflage der letzten Jahre zwingt ein Unternehmen nach dem anderen in die Knie. Trotz intensiver Bemühungen muss sich ein weiteres Traditionswerk nun geschlagen geben.
Das Aus nach 110 Jahren
Die Geschichte der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Unter der Leitung von Hermann Fürchtegott Zülch entstand in Osterholz-Scharmbeck eine Zigarettenfabrik. Nach der Hochzeit seiner Schwester mit einem gewissen Bernhard Reemtsma, stieg dieser ebenfalls in das Zigarettengeschäft ein und übernahm ein eigenes Werk. Die Söhne Hermann und Philipp führten das Unternehmen schließlich weiter in Richtung Erfolg.
Wenngleich dieser während des Zweiten Weltkrieges auf dem Rücken von Tausenden Zwangsarbeitern fußte, konnte die Firma auch dieses dunkle Kapitel hinter sich lassen. Im Laufe der Jahre erlangte das Unternehmen zahlreiche Beteiligungen an anderen Firmen und rief ein eigenes Begabtenförderungswerk ins Leben. Heute ist kein Mitglied der Familie Reemtsma mehr Teil des Unternehmens, das seit 2002 zu Imperial Brands (damals noch Imperial Tobacco) gehört.
Deutsches Werk schließt seine Tore
Auf der Reemtsma-Homepage heißt es, dass dieser Zusammenschluss Herausforderungen und Chancen zugleich mit sich bringe. Zumindest für einen Teil schienen die Herausforderungen zu groß. Wie das Unternehmen selbst verkündete, habe die Mutterfirma das Werk in Langenhagen bei Hannover längst schließen wollen. Um dies zu verhindern, habe man nach einem Käufer gesucht. Sämtliche Verhandlungen seien jedoch gescheitert. Deshalb habe sich Imperial Brands nunmehr dazu entschieden, den Standort in Langenhagen nach 55 Jahren einzustampfen.
Die Schließung soll jedoch schrittweise bis 2027 erfolgen. Solange läuft die Produktion von Tabakwaren in diesem Werk weiter. Die Entscheidung sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen – zumal rund 600 Stellen betroffen sind. Um „sozialverträgliche Lösungen“ für die Angestellten zu finden, arbeite der Vorstand eng mit entsprechenden Vertretern der Mitarbeiter zusammen. Vor dem Hintergrund der globalen Wettbewerbsfähigkeit sei dieser Schritt jedoch notwendig gewesen. Der Konsum klassischer Tabakwaren ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weshalb in Langenhagen die Produktionskosten für die sinkende Auslastung zu hoch geworden seien.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Imperial Brands, NGG)














