100 Jahre: Traditionsbäckerei in Deutschland muss schließen

Ein Blick in eine Bäckerei und Konditorei. Die Auslagen sind gut gefüllt mit verschiedenen Backwaren wie Brot und Brötchen und auch kleinen Küchlein. Auch eine kleine Auswahl an Nudel- und Obstsalaten steht bereit.
Symbolbild © istockphoto/JackF

Wieder stirbt ein Stück Alltag: Eine Traditionsbäckerei in Deutschland muss schließen – nach mehr als einem Jahrhundert. Nicht wegen leerer Kassen, sondern wegen der immer mehr abnehmenden Energie.

Frische Brötchen am Morgen, Gespräche über die Theke, ein Ort zum Ankommen – all das verschwindet jetzt für immer. Denn Deutschlands nächste Traditionsbäckerei wird schließen.

Keine Chance: Wenn nicht nur die Bäckerei, sondern ein ganzer Ort verschwindet

Es sind diese Nachrichten, die leise kommen und trotzdem wehtun. Keine große Insolvenz, kein Skandal, sondern ein emotionaler Abschied. Es ist eine jener Entscheidungen, die zeigen, wie fragil das klassische Handwerk geworden ist. Denn eine weitere Traditionsbäckerei wird ihre Türen in Deutschland schließen. Betroffen ist dieses Mal die Bäckerei-Café-Pension Fischer in Rheinzabern (Rheinland-Pfalz). Dabei handelt es sich um einen Familienbetrieb, gegründet 1908, geführt über fünf Generationen. Nun endet seine Geschichte allerdings zum Jahresende – und das nach über 100 Jahren.

Wichtig: Es sind nicht die Finanzen, die den Ausschlag geben, sondern vielmehr persönliche und familiäre Gründe. Die Betreiber Judith und Reiner Fischer suchten nämlich schon lange nach einer Nachfolge, jedoch stets ohne Erfolg. Die Kinder halfen zwar mit, gehen aber inzwischen ihre eigenen Wege, das bedeutet andere Wege. Fest steht: Eine sechste Generation wird es nicht geben. Und damit verliert Rheinzabern seine letzte backende Bäckerei. Es war ein Ort, an dem Begegnungen stattfanden, an dem der Tag begann, an dem Menschen kurz innehielten. Was jahrzehntelang selbstverständlich war, wird nun zur Erinnerung.

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Erste Klasse: Ein Betrieb, der weit über das Backhandwerk hinausging

Zu dieser besonderen Bäckerei gehörte im Übrigen mehr als Mehl und Teig: Der Familienbetrieb führte zusätzlich eine Pension mit mehreren Gästezimmern sowie einer voll ausgestatteten Monteurwohnung. Angeboten wurden Frühstück mit frischen Backwaren aus eigener Herstellung, kostenlose Parkplätze und eine verkehrsgünstige Lage in der Südpfalz. Für viele Gäste war es ein vertrauter Rückzugsort – für manche unter ihnen über Jahre hinweg.

Wenn eine Traditionsbäckerei in Deutschland schließen muss, verschwindet leider mehr als nur ein Geschäft. Es geht ein Stück gelebter Normalität verloren – das Geräusch der Türglocke, der Geruch von frischem Brot, das Gefühl von Vertrautheit. Rheinzabern verliert einen Ort mit Seele. Und Deutschland verliert eine weitere Bäckerei, die nicht zurückkehren wird.

(Quellen: Bäckerei-Café-Pension Fischer, dpa)