Am Esstisch: Immer mehr Fleischesser fühlen sich ausgegrenzt

Eine nicht zu erkennende Person schneidet gerade einen Truthahn an, um ihn den Gästen zu servieren. Im Hintergrund sieht man eine reichlich gedeckte und festlich geschmückte Tafel. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um Thanksgiving.
Symbolbild © imago/YAY Images

Es ist eine Entwicklung, von der man nicht geglaubt hat, dass sie einmal eintreten könnte. Tatsächlich jedoch fühlen sich immer mehr Fleischesser ausgegrenzt – genauso wie einst Veganer und Vegetarier.

Bei dieser Feststellung scheint für traditionell denkende Menschen die Welt wohl auf den Kopf gestellt zu sein. Immer mehr Fleischesser fühlen sich ausgegrenzt. Die Anzahl an Veganern und Vegetariern nimmt nämlich zu.

Veganer gegen Fleischesser: „Werden sich nie einig“

Schaut man sich in den sozialen Netzwerken um oder auf der Straße, wird klar: Veganismus und vegetarische Ernährung befinden sich auf dem Vormarsch. Gerade Veganer gehen vermehrt auf die Straße und versuchen mit drastischen Bildern und derben Sprüchen, die Menschen zur Umkehr zu bewegen und komplett auf Fleisch zu verzichten. Und auch in den sozialen Medien nimmt die Missionierung immer weiter zu. Wer Fleisch isst und dies öffentlich zugibt, wird angeprangert. Man sei ein Tierquäler und Ausbeuter, und gerade in der heutigen Zeit müsse man doch so aufgeklärt sein, um eine Lebensweise von Grund auf zu ändern. Dem entgegenstehen diejenigen, die auf den Fleischkonsum nicht verzichten wollen. Beide Parteien sehen sich im Recht.

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Fleischesser fühlen sich ausgegrenzt: „Bekommen ordentlich Gegenwind“

Längst haben sich auch Fachleute dieses Phänomens angenommen und stellen erschreckend fest, dass es dabei nicht nur um die Frage geht, ob man Fleisch konsumiert oder nicht. Man darf an sich gar nicht mehr entscheiden, was man isst. Ansonsten wird man direkt als minderwertig oder nicht aufgeklärt abgestempelt. Auf die Frage, was man isst, bekommen die Verfechter des fleischlosen Konsums nicht nur die eine Antwort, sondern urteilen auch komplett über den Menschen selbst.

Deshalb sehen Experten in den Diskussionen um die Fleischfrage noch viel mehr. Es werden Stereotype bedient. Wer Arbeiter ist, kann sich eben kein Bio und keine fleischlose Ernährung leisten. Er isst, was er kaufen kann, und dies seien eben minderwertige, hoch verarbeitete industrielle Produkte von schlechter Qualität. Wer dagegen reich ist, könne sich Bio ebenso leisten wie eine ausgewählte, hochwertige Essensqualität. Und genau in dieser Stigmatisierung sehen die Experten ein großes Problem.

(Quellen: eigene Recherche der ka-insider-Redakteure, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Studie Blaas & Stotten, Bourdieu)