Deutschland völlig unvorbereitet – Millionen haben keinen Notvorrat

Einige Menschen warten mit vollen Einkaufstüten auf eine Straßen- oder U-Bahn. Die Leute waren offenbar bei Aldi, Kaufland oder einem anderen Supermarkt, um Lebensmittel und andere Produkte einzukaufen.
Symbolbild © imago/Wolfgang Maria Weber

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Deutschland im Falle einer Katastrophe völlig unvorbereitet ist. Millionen Menschen haben beispielsweise keinen Notvorrat. Experten raten jedoch dringend dazu, sich einen solchen anzulegen.

Zwar gilt Deutschland als sehr sicheres Land. Allerdings zeigen neueste Ereignisse, dass dies auch schnell kippen könnte. Und das würde Deutschland völlig unvorbereitet treffen. So haben Millionen Menschen keinen Vorrat für den Notfall angelegt.

Deutschland gilt als sicher: Experten raten trotzdem zu einem Notvorrat

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) empfiehlt grundsätzlich jedem Haushalt in Deutschland, einen privaten Notvorrat für idealerweise zehn Tage anzulegen. Trotz der hohen allgemeinen Sicherheit im Land raten Sicherheits- und Katastrophenschutzexperten eindringlich zur Eigenvorsorge. Der Grund dafür ist keine akute Panik vor einem Weltuntergang, sondern die Stärkung der Gesellschaft gegen unvorhersehbare Alltagsstörungen.

Für diese Empfehlung gibt es wichtige Gründe. Bei großflächigen Ereignissen müssen Rettungskräfte und Behörden ihre Kapazitäten nach Dringlichkeit aufteilen. Wer sich selbst einige Tage versorgen kann, hält die Leitungen und Einsatzkräfte für Menschen frei, die akut in Lebensgefahr schweben. Zunehmende hybride Bedrohungen und Hackerangriffe können sensible Teile der kritischen Infrastruktur wie das Stromnetz temporär lahmlegen. Lokale Katastrophen wie plötzliche Sturmtiefs, Starkregen oder Hochwasser können zudem Lieferketten unterbrechen und Supermärkte unerreichbar machen.

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Deutschland völlig unvorbereitet: Millionen Menschen haben im Notfall nichts

Offiziellen Studien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zufolge hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung, rund 53 Prozent, keine gezielten Notvorräte zu Hause. Aktuelle Erhebungen zeigen sogar, dass teils nur jeder fünfte Haushalt vollumfänglich auf eine mehrtägige Krise vorbereitet ist. Dass Millionen Bürger der offiziellen Zehn-Tage-Empfehlung des Bundes nicht folgen können oder wollen, liegt laut Experten und Sozialverbänden an drei wesentlichen Hürden. Wer für eine vierköpfige Familie haltbare Lebensmittel und Wasser für zehn Tage auf einmal kauft, muss beim Discounter mit Kosten von 300 bis 400 Euro rechnen.

Für die rund 13 Millionen von Armut betroffenen oder armutsgefährdeten Menschen in Deutschland ist dieser Betrag schlichtweg nicht aufzubringen. Ein Zehn-Tage-Vorrat erfordert erhebliche Lagerkapazitäten. Allein beim Wasser empfiehlt das BBK 20 Liter pro Person. Ein Vier-Personen-Haushalt müsste somit 80 Liter Wasser sowie kistenweise Lebensmittel, Campingkocher und Hygieneartikel unterbringen. In engen städtischen Wohnungen ohne Keller oder Vorratskammer fehlt vielen Menschen schlicht der Platz dafür. Laut BBK-Befragungen sehen 61 Prozent der Deutschen primär den Staat in der Pflicht, Krisen abzufedern.

(Quellen: BBK, YouGov)