EU plant neue Bargeld-Regel – „In allen Supermärkten spürbar“

Auf dem Bild ist eine lange Schlange von Menschen zu sehen, die in einem Supermarkt an einer Bedientheke warten. Die Personen stehen dicht hintereinander. Rechts verläuft eine gekühlte Verkaufstheke.
Symbolbild © imago/ZUMA Press Wire

Die EU plant neue Bargeld-Regeln für den Zahlungsverkehr. Das Paket soll Verbraucher besser vor digitalem Betrug schützen –  eine weitere Maßnahme könnte bald besonders in ländlichen Regionen spürbar werden.

In der Europäischen Union verändert sich die Versorgung mit Zahlungsdiensten spürbar. Während digitale Bezahlwege immer weiter an Bedeutung gewinnen, zeigen sich zugleich Schwachstellen, die Verbraucher betreffen – etwa in Form von Betrugsmaschen oder eingeschränktem Zugang zu klassischen Zahlungsmitteln.

EU-Verhandler reagieren auf steigende Betrugsfälle

Um diese Entwicklungen aufzufangen, haben Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten ein neues Regelwerk verhandelt, das verschiedene Bereiche des Zahlungsverkehrs betreffen soll. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt einer formalen Zustimmung beider Institutionen. Ein Teil des Pakets richtet sich gegen die zunehmenden Betrugsfälle im digitalen Raum.

Kriminelle arbeiten häufig mit gefälschten Identitäten, manipulierten Webseiten oder gestohlenen persönlichen Daten, um Zahlungen zu erschleichen. Viele Verbraucher bemerken die Gefahr erst, wenn bereits Geld abgeflossen ist. Besonders betroffen sind Menschen, die Online-Banking nutzen oder sich im Netz auf vermeintlich seriöse Angebote einlassen. Phishing-Mails, Schadsoftware oder manipulierte Zahlungslinks ermöglichen es Betrügern, innerhalb kurzer Zeit hohe Summen zu stehlen. Behörden berichten von international vernetzten Tätergruppen, die erbeutete Gelder sofort weiterleiten, was Ermittlungen erschwert. Onlineplattformen haften künftig, wenn sie betrügerische Inhalte trotz Warnung nicht löschen.

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Achtung: EU plant neue Bargeld-Regel

Neben dem digitalen Schutz nimmt die EU auch strukturelle Probleme im Zahlungsverkehr in den Blick. In zahlreichen ländlichen Regionen wird der Zugang zu Bargeld schwieriger, weil Bankfilialen schließen und Geldautomaten abgebaut werden. Um Versorgungslücken zu vermeiden, sollen Verbraucher künftig auch im Einzelhandel Bargeld erhalten können – und zwar ohne vorherigen Einkauf. Vorgesehen sind Auszahlungen zwischen 100 und 150 Euro, damit Menschen in schlecht versorgten Gebieten nicht auf lange Wege angewiesen sind.

Zudem sollen Gebühren bei Kartenzahlungen oder Abhebungen klar und vollständig ausgewiesen werden, darunter etwa Wechselkursaufschläge oder Automatengebühren. Bei Identitätsbetrug soll künftig gelten: Gibt sich ein Täter als Bank- oder Zahlungsdienstmitarbeiter aus und veranlasst Überweisungen, müssen Zahlungsdienstleister den Schaden vollständig ersetzen, sofern eine polizeiliche Meldung vorliegt.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa)