
Eine der bekanntesten Familienbrauereien Oberfrankens steht überraschend vor dem Aus: Nach über 130 Jahren Tradition kämpft der Betrieb ums Überleben – mit bangen Mitarbeitenden, sinkendem Bierkonsum und explodierenden Kosten.
Eine Traditionsbrauerei in Oberfranken steht plötzlich am Abgrund. Nach mehr als einem Jahrhundert gerät ein Familienbetrieb in dramatische Schieflage.
Mehr als 130 Jahre – und jetzt droht das Aus
In Oberfranken sorgt ein Brauereiname, den dort fast jeder kennt, für Schlagzeilen. Der Traditionsbetrieb aus Altenkunstadt hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt – ein Paukenschlag für die Region. Es handelt sich um die Familienbrauerei Leikeim, die seit 1887 in fünfter Generation geführt wird. Geschäftsführer Andreas Leikeim spricht von einem massiven Rückgang bei Absatz und Umsatz, der das Unternehmen in einen akuten Liquiditätsengpass gebracht habe.
Die Branche steckt seit Jahren in einem beispiellosen Umbruch. Deutsche trinken immer weniger Bier – 2024 waren es pro Kopf nur noch 88 Liter, vor zwanzig Jahren 112 Liter und vor dreißig Jahren sogar 133 Liter. Gleichzeitig explodieren die Preise für Rohstoffe, Energie und Logistik. Trotz des schwindenden Konsums bleibt Deutschland ein Land der Bierfans. Nur in Tschechien und Österreich trinkt man noch mehr Bier.
Sanierung statt Kapitulation – 100 Mitarbeiter bangen
Corona-Nachwirkungen, teure Produktion, weniger Durst – die Mischung ist für viele Brauereien gefährlich geworden. Auch Leikeim spürte die Folgen hart. Um gegenzusteuern, setzte man auf Export, alkoholfreie Sorten und Kostendisziplin. Doch die strukturellen Probleme waren stärker. Jetzt soll das Verfahren in Eigenverwaltung den Rettungsanker liefern. Die Produktion läuft weiter, rund 100 Beschäftigte behalten erst einmal ihre Arbeit. Doch die Ungewissheit ist groß – im Sudhaus und an der Abfülllinie geht der Alltag weiter, aber keiner weiß, wie lange.
Die Marke gilt als fester Bestandteil der oberfränkischen Bierkultur – ein Stück Identität, Wirtschaftskraft und Stammtischgefühl. Genau deshalb wird im Verfahren mit Sachwalter fieberhaft an Sanierungsoptionen gearbeitet, um den Traditionsbetrieb zu erhalten. Derweil kann zumindest eine Schwesterbrauerei aufatmen: Die Altenburger Brauerei in Thüringen ist nicht betroffen. Sie ist seit der Übernahme 1991 rechtlich und wirtschaftlich selbstständig.
(Quellen: Amtsgericht Bamberg, das Amtsgerichtliche und Unternehmensregister der Bundesrepublik Deutschland, Pressemitteilungen der Brauerei Leikeim)














