
Plastik gilt seit Jahren als Umweltsünder Nummer eins. Im Supermarkt versuchen deshalb viele Kunden, Kunststoff möglichst zu vermeiden. Doch ausgerechnet bei einem beliebten Lebensmittel kann diese Entscheidung völlig nach hinten losgehen.
Was umweltfreundlich aussieht, muss nämlich nicht die bessere Wahl sein. Entscheidend sind Herstellung, Transport, Recycling und die Menge des Materials im Einsatz. Bei einem Produkt aus dem Kühlregal sorgt genau diese Rechnung für eine Überraschung.
Klimaschützer laufen Sturm – Plastik wird zum neuen Klimaretter
Es geht um Joghurt. Wer vor dem Kühlregal steht und aus Umweltgründen zum Glas statt zu Plastik greift, kann sich für die Variante mit der deutlich schlechteren Umweltbilanz entscheiden. Darauf weist unter anderem der Naturschutzbund Deutschland hin. Einwegglas braucht bei der Herstellung viel Energie. Hinzu kommt das hohe Gewicht: Ein Lkw kann bei gleichem Gesamtgewicht weniger Joghurt transportieren, wenn schwere Gläser statt leichter Becher an Bord sind. Selbst das Recycling kostet erneut Energie, weil Hersteller das Altglas wieder einschmelzen müssen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Glas zwar optimal recycelt werden kann und Lebensmittel zuverlässig schützt, Herstellung, Transport und Recycling des schweren Materials jedoch energieaufwendig sind.
Ganz anders kann die Rechnung bei einem leichten Kunststoffbecher aussehen. Besonders Becher aus Polypropylen, kurz PP, schneiden in Verpackungsvergleichen vergleichsweise gut ab. Sie benötigen wenig Material, wiegen kaum etwas und lassen sich gut transportieren. Der NABU hat verschiedene Verpackungen für 1.000 Kilogramm Joghurt und andere Milchfrischeprodukte miteinander verglichen. Verbraucher können geeignete PP-Verpackungen häufig am Recyclingcode 05 erkennen.
Glas ist trotzdem nicht automatisch der Verlierer
Wer jetzt sämtliche Joghurtgläser aus dem Einkaufswagen verbannen will, liegt allerdings ebenfalls falsch. Einen entscheidenden Unterschied macht die Frage, ob es sich um Einweg oder Mehrweg handelt. Ein regionales Mehrwegglas, das häufig wiederbefüllt wird und nur kurze Transportwege zurücklegt, kann eine gute Umweltbilanz erreichen. Der NABU-Vergleich zeigt sogar, dass regionales Mehrwegglas bei Joghurt unter den untersuchten Varianten hervorragend abschneiden kann. Lange Transportwege und Einwegdeckel schmälern diesen Vorteil allerdings.
Nicht allein das Material entscheidet. Einweg oder Mehrweg, Gewicht, Transportweg und Recyclingfähigkeit spielen zusammen. Wer Joghurt im Einwegglas nur deshalb kauft, weil Glas grundsätzlich nachhaltiger wirkt, kann genau die falsche Entscheidung treffen. Bei Einwegverpackungen kann der leichte Kunststoffbecher tatsächlich die klimafreundlichere Alternative sein. Noch besser wird die Bilanz häufig bei größeren Packungen, weil pro 100 Gramm Joghurt weniger Verpackungsmaterial anfällt.
(Quellen: NABU, VZ)














