Lebensmittel-Alarm in Deutschland – Kontrollen reichen nicht aus

Hände einer Person, die eine Verpackung mit rohem Hühnchen hält. Im Hintergrund sind mehrere Packungen mit abgepacktem Fleisch zu sehen, das im Supermarkt gekühlt wird. Auf den Verpackungen klebt ein Etikett.
Symbolbild © istockphoto/Thai Liang Lim

Müsli, Käse, Salami oder Tiefkühlbeeren: Immer wieder verschwinden Lebensmittel aus deutschen Supermärkten, weil von einzelnen Produkten eine Gesundheitsgefahr ausgehen könnte. Neue Zahlen zeigen nun das Ausmaß. Gleichzeitig gibt es offenbar große Lücken bei den Lebensmittelkontrollen.

Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 291 Lebensmittelprodukte zurückgerufen. Das entspricht im Durchschnitt mehr als fünf Rückrufen pro Woche.

Fast 30 Prozent der vorgeschriebenen Kontrollen fallen aus

Zu den häufigsten Gründen gehören Krankheitserreger. Salmonellen, E.-Coli-Bakterien sowie Noro- und Hepatitis-A-Viren können dazu führen, dass Lebensmittel aus dem Verkauf genommen werden müssen. Hinzu kommen Fremdkörper wie Kunststoffteile, die während der Produktion in die Ware gelangen können. Besonders brisant ist die Situation bei der staatlichen Lebensmittelüberwachung. Foodwatch hat Stadt- und Landkreise in Deutschland danach gefragt, ob die vorgeschriebenen Kontrollen tatsächlich stattfinden. Demnach fallen fast 30 Prozent der vorgesehenen Lebensmittelkontrollen aus.

Auch der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure sieht Handlungsbedarf. Nach Angaben seines stellvertretenden Vorsitzenden Manuel Klein fehlen bundesweit rund 1.500 Lebensmittelkontrolleure. Gleichzeitig nehme der bürokratische Aufwand immer mehr Arbeitszeit in Anspruch. Für tatsächliche Kontrollen vor Ort blieben teilweise nur noch 30 bis 40 Prozent der Arbeitszeit.

Lesen Sie auch
Neuer Rückruf: Hunderttausende Autofahrer von Warnung betroffen

Rückgerufenes Müsli noch im Verkaufsregal zu haben

Selbst wenn ein Produkt zurückgerufen wird, erreicht die Warnung längst nicht jeden Kunden. Wie Unternehmen über einen Rückruf informieren, ist unterschiedlich. Zwar veröffentlichen die Behörden öffentliche Warnungen zentral auf dem Portal Lebensmittelwarnung.de, doch Verbraucher müssen diese Informationen auch tatsächlich mitbekommen. Wie problematisch das werden kann, zeigte eine Recherche des SWR. Reporter fanden in einem Supermarkt ein Müsli im Regal, obwohl bestimmte Chargen wegen möglicher Plastikteile bereits zurückgerufen worden waren. Nachdem die Mitarbeiter darauf hingewiesen wurden, entfernten sie die Ware.

Trotz der steigenden Zahl der Rückrufe warnt das BVL vor einem falschen Schluss. Mehr Rückrufe bedeuteten nicht automatisch, dass Lebensmittel in Deutschland unsicherer geworden seien. Bessere Untersuchungsmethoden, strengere Grenzwerte und eine höhere Bereitschaft der Hersteller zu Rückrufen spielen ebenfalls eine Rolle.

(Quellen: BVL, Verbraucherzentralen, SWR)