
Eine beliebte Bäckereikette mit 75 Jahren Firmengeschichte und mittlerweile 40 Filialen in Deutschland ist insolvent. Das Traditionsunternehmen befindet sich in einer finanziellen Krise und startet nun ein Sanierungsverfahren, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.
Ausgerechnet im Jahr des 75. Jubiläums muss eine norddeutsche Bäckereikette Insolvenz anmelden. Damit stehen dem traditionsreichen Familienunternehmen harte Zeiten bevor.
Nächste deutsche Bäckereikette insolvent
1950 gründete Helmut Leifert eine Bäckerei zur „Grundversorgung“ in der Nachkriegszeit. Seither liegt das Unternehmen in Familienhand und wird derzeit von der zweiten und dritten Generation zusammen betrieben. Inzwischen hat die Bäckerei Leifert 40 Filialen in Wolfsburg, Braunschweig, Hannover und dem Heimatort Gifhorn in Niedersachsen. Die Bäckereikette steht zudem für Nachhaltigkeit und Wachstum. Seit 2017 gibt es das Projekt „Azubis für Azubis“, das den Handwerksnachwuchs sichern soll.
Klingt eigentlich alles nach einer Erfolgsgeschichte. Doch machen die steigenden Energie- und Warenkosten offenbar auch vor den Leiferts nicht Halt. Wie das Amtsgericht Gifhorn nämlich mitteilt, hat die Bäckereikette einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Vorläufiger Sachwalter ist Rechtsanwalt Dr. Malte Köster aus Hannover, dessen Kanzlei auf Insolvenz- und Sanierungsverfahren spezialisiert ist. Unter Küsters Aufsicht habe die Familie Leifert weiterhin die Berechtigung, über ihre Vermögenswerte zu verfügen und sie selbst zu verwalten.
Bäckereikette ist insolvent, der Betrieb läuft aber weiter
Ob nun tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, bleibt abzuwarten. Die Bäckereikette macht unterdessen weiter wie zuvor. In den sozialen Netzwerken rührt der Traditionsbetrieb fleißig die Werbetrommel und feiert sein 75. Bestehen mit wöchentlichen Jubiläumsangeboten. Auch Neuigkeiten im Sortiment, Einblicke in die alltäglichen Abläufe der Bäckerei, sowie die Verabschiedung und Begrüßung der jeweiligen Azubi-Jahrgänge werden gepostet. In diesem Jahr hat das Unternehmen sieben neue Auszubildende bekommen und vier in den Gesellenstand verabschiedet.
Damit hat die Bäckerei Leifert zumindest ein Problem weniger als viele andere Handwerksbetriebe. Die finden nämlich keinen Nachwuchs, können ihr Vermächtnis nicht weiterreichen und müssen ihren Betrieb schließen. Immer weniger Jugendliche möchten schließlich einen körperlich anstrengenden Beruf ausüben – erst recht keinen, bei dem um 3:00 Uhr morgens Schichtbeginn ist. Gerade für kleine Betriebe bedeutet das früher oder später das Aus. Laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) steigt die Zahl der Azubis in der Backwarenbranche aktuell leicht an. Die Bäckerei Leifert ist der Beweis dafür.














