Neue Studie: Fleischverzicht setzt deutsche Höfe unter Druck

Eine braun-weiß gefleckte Kuh, die sich in einem Stall über vier neugeborene Kälber beugt. Die Kälber liegen dicht beieinander im sauberen, trockenen Stroh und tragen gelbe Ohrmarken. Das Sonnenlicht fällt durch die offene Stallwand und beleuchtet die Szene.
Symbolbild Foto: Claudia Käppeler/dpa

Eine neue Studie zeigt: Fleischverzicht und der gesamte Wandel im Ernährungssystem bleiben für Landwirte nicht ohne Folgen. Experten warnen jetzt vor einer massiven wirtschaftlichen Dynamik für Betriebe.

Der Vegan-Trend trifft landwirtschaftliche Betriebe in der Bilanz verhältnismäßig hart. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

Vegan: Produktion von Fleischersatzprodukten nimmt zu

Ob Tofu-Burger oder Hafer- statt Kuhmilch: In Deutschland wächst der Trend, sich vegan zu ernähren oder weniger Fleisch und Produkte mit tierischen Inhalten zu konsumieren. 2024 hat Deutschland pro Kopf etwa 1,5 Kilogramm Fleischersatzprodukte hergestellt. Für viele Verbraucher ist das eine bewusste Entscheidung, doch für Landwirte offenbar zunehmend ein finanzielles Risiko. Darauf deutet eine aktuelle Studie hin, die im Fachjournal Nature Food erschienen ist. Die Untersuchung der Universitäten Leiden, Wien und Oxford macht darauf aufmerksam, wie ausgeprägt die Herausforderungen sind.

Gravierend: Was der Wandel für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet

Knapp 78 Prozent des Anlagevermögens in der Landwirtschaft der EU und Großbritanniens konzentrieren sich auf die Nutztierhaltung und den Futteranbau. Das entspricht einem Gesamtwert von rund 258 Milliarden Euro. Geht der Fleisch- und Milchkonsum stark zurück, droht diesen Anlagen die Entwertung. Die Forscher rechnen verschiedene Varianten vor: Bei einem Minus von 9,5 Prozent beim Konsum stünden bereits 18 Prozent dieser Vermögenswerte auf dem Spiel. Sinke der Verbrauch um 60 Prozent, seien es 50 Prozent, und bei einer kompletten Abkehr von tierischen Lebensmitteln drohe sogar für 73 Prozent der Anlagen die Entwertung.

Lesen Sie auch
Für alle Besucher: Neue Mega-Attraktion im Movie Park enthüllt

Am schlimmsten trifft es Spezialinvestitionen wie Zuchttiere und Ställe, da diese kaum für andere Zwecke nutzbar sind. Ein wirtschaftlicher Absturz im ländlichen Raum lässt sich laut der Studie aber verhindern. Dafür müssten unter anderem die Agrarsubventionen der EU politisch neu ausgerichtet werden. Das ist aber nicht alles: Auch der Umbau alter Ställe für die rein pflanzliche Erzeugung spielt eine wichtige Rolle. Sofern man den Betrieben zusätzlich die nötige Zeit gibt, damit sich ihre bisherigen Investitionen wie geplant rechnen können, bleibt ein geordneter Übergang möglich. Ohne solche Pläne wird die Ernährungswende für viele Betriebe jedoch wohl zur Existenzfrage.

(Quellen: Studienautoren, Agrarökonomische Analyse, dpa)