
Ausgerechnet ein einfaches Vorratsprodukt wird in deutschen Supermärkten derzeit knapp. Händler kämpfen mit Lieferproblemen – und einige Dosen erreichen inzwischen Preise von bis zu 6,90 Euro. Dabei handelte es sich einst um ein Billig-Lebensmittel.
Wer derzeit im Supermarkt nach Sardinen sucht, kann vor einem leeren Regal stehen. Rewe bestätigt eine europaweit angespannte Rohwarensituation. Auch andere große Händler melden zeitweise fehlende Produkte. Hinter der Knappheit steckt eine Kombination aus sinkenden Fangmengen, eingeschränkten Exporten und einer weltweit wachsenden Nachfrage.
Sardinen fehlen plötzlich in deutschen Supermärkten
Besonders wichtig für den deutschen Markt ist Marokko. Das Land gehört zu den bedeutendsten Sardinenproduzenten und -exporteuren der Welt und belieferte Deutschland über Jahre mit großen Mengen an Konserven. Schon ältere Marktdaten des Fisch-Informationszentrums zeigen die Bedeutung: 2022 kamen rund 5.440 Tonnen Sardinenkonserven aus Marokko nach Deutschland. Insgesamt lagen die deutschen Lieferungen und Importe damals bei rund 7.055 Tonnen.
Doch die Fangmengen vor der marokkanischen Küste sind eingebrochen. Nach offiziellen Daten sank die Menge angelandeter Sardinen dort von rund 925.000 Tonnen im Jahr 2022 auf etwa 525.000 Tonnen im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 40 Prozent. Marokko reagierte Anfang 2026 und schränkte den Export frischer und gefrorener Sardinen ein. Seit Februar benötigen Exporteure dafür eine Genehmigung. Die Regierung will damit die heimische Versorgung schützen und den Druck auf die Fischbestände reduzieren. Für deutsche Händler bedeutet das: Die verfügbare Rohware wird knapper.
Aus dem günstigen Dosen-Produkt wird Premiumware
Rewe spricht von einer branchenweit eingeschränkten Verfügbarkeit, die sowohl Eigenmarken als auch Markenprodukte betrifft. Auch Aldi verweist auf schwierige Bedingungen beim Fischfang und mögliche saisonale Engpässe. Gleichzeitig entdecken immer mehr Verbraucher die kleine Sardine neu. Proteinreiche Ernährung liegt im Trend, und in sozialen Netzwerken werden Sardinen inzwischen als nährstoffreiches Trendfood gefeiert. Die steigende Nachfrage trifft damit ausgerechnet auf ein schrumpfendes Angebot. Das zeigt sich zunehmend beim Preis. Während einfache Sardinendosen lange zu den günstigen Fischkonserven gehörten, kosten hochwertige Varianten inzwischen mehrere Euro. Einzelne Produkte erreichen Preise von bis zu 6,90 Euro pro Dose.
Ganz verschwinden dürften Sardinen aus deutschen Supermärkten allerdings nicht. Händler hoffen auf Entspannung durch neue Fänge. Rewe erwartet, dass sich die Verfügbarkeit mit den Sommerfängen schrittweise verbessert. Für Verbraucher bleibt deshalb primär eines sinnvoll: Preise vergleichen und bei leeren Sardinenregalen nicht automatisch zur deutlich teureren Premiumdose greifen.
(Quellen: FIZ, Ministère de l’Industrie Maroc)














