
Immer mehr Kunden kaufen viel weniger Nestlé-Produkte – und das hat drastische Folgen. Hinter den Supermarktregalen spielt sich eine Krise ab, die tiefere Ursachen hat, als viele ahnen.
Nestlé steckt tief in der Krise – und plötzlich greifen Kunden im Supermarkt immer seltener zu den bekannten Marken.
Kunden wenden sich ab – und das hat Gründe
Wer durch die Supermarktregale schlendert, begegnet ihnen überall: Maggi, Nescafé, Thomy – Marken, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil deutscher Küchen sind. Doch hinter den vertrauten Logos brodelt es gewaltig. Nestlé – 1866 vom Frankfurter Apotheker Heinrich Nestlé gegründet – erlebt derzeit eine Absatzflaute, die selbst Branchenkenner erstaunt. Gleich in vier von sieben Geschäftssparten ist der Umsatz 2024 im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Besonders betroffen sind Fertiggerichte (-2,2 Prozent), Wasser (-1,0 Prozent), Milchprodukte und Eis (-0,7 Prozent) sowie Süßwaren (-0,2 Prozent). Das klingt zunächst nach kleinen Zahlen – doch für einen Konzern dieser Größe sind das Alarmglocken, die schrillen.
Schon seit 2022 kämpft Nestlé mit massiv steigenden Rohstoff- und Inflationskosten. Um die Verluste auszugleichen, blieb dem Unternehmen nur eine Maßnahme: Preise rauf. Doch genau das rächt sich nun. Verbraucher akzeptieren die höheren Summen längst nicht mehr und wandern in Scharen zu günstigeren Alternativen ab. Experten sind sich einig: Die Preiserhöhungen waren unvermeidbar – ein Marketing-Stopp hingegen nicht. Genau hier aber hat Nestlé den Rotstift angesetzt und damit einen herben Fehler begangen. Vor allem im boomenden Bereich der Fleischersatzprodukte hinkt der Großkonzern hinterher. Hinzu kommt eine gigantische Produktpalette von rund 2.000 Marken, von denen jedoch nur etwa dreißig wirklich nennenswerte Gewinne abwerfen.
Internes Chaos verschärft die Lage
Als wäre all das nicht genug, kämpft Nestlé auch intern mit schweren Strukturproblemen. Fehlentscheidungen und Sparprogramme drücken zusätzlich auf die Stimmung. Besonders drastisch: Der geplante Abbau von 16.000 Stellen innerhalb der nächsten zwei Jahre – davon 12.000 im Bürobereich und 4.000 in Produktion und Lieferkette.
Dabei schien der Konzern noch vor wenigen Jahren unerschütterlich. 2021 galt Nestlé als wertvollstes Unternehmen Europas. Doch seitdem ging es steil bergab. Der mehr als 40-prozentige Kurssturz in nur drei Jahren spricht eine deutliche Sprache. Ob Nestlé das Ruder herumreißen kann? Sicher ist nur: Der Mythos vom unbesiegbaren Lebensmittelgiganten bröckelt wie nie zuvor.
(Quellen: Nestlé, Statista, dpa)














