
Käfigeier sind aus deutschen Legehennenställen verschwunden. Trotzdem können Verbraucher sie weiterhin essen, ohne es überhaupt zu bemerken. Die entscheidende Lücke steckt ausgerechnet bei beliebten Lebensmitteln wie Nudeln, Kuchen oder Mayonnaise. Hier landen die Käfigeier auf dem Teller.
Wer einen Eierkarton im Supermarkt kauft, kann die Haltungsform schnell erkennen. Eine 0 steht für Bio, 1 für Freiland, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung. Bei verarbeiteten Lebensmitteln endet diese Transparenz jedoch. Hersteller müssen dort die Haltungsform der verwendeten Eier nicht angeben.
Kunden vollkommen unwissend: Käfigeier landen heimlich auf unseren Tellern
Seit Januar 2026 dürfen Legehennen in Deutschland auch nicht mehr in der sogenannten Kleingruppenhaltung leben. Damit endete die letzte hierzulande erlaubte Form der Käfighaltung. In anderen EU-Staaten sieht die Lage anders aus. Dort dürfen Betriebe weiterhin sogenannte ausgestaltete Käfige nutzen. Gelangen Eier aus solchen Betrieben nach Deutschland und anschließend in die Lebensmittelproduktion, erkennen Kunden das später nicht zwingend auf der Verpackung. Besonders relevant ist das bei Nudeln, Mayonnaise, Fertiggerichten, Kuchen oder anderen Backwaren. Das betrifft einen erheblichen Teil des Eierverbrauchs: Nach Angaben der Verbraucherzentrale essen die Menschen in Deutschland durchschnittlich 249 Eier pro Jahr. Mehr als 30 Prozent davon stecken in eihaltigen Lebensmitteln. Genau dort fehlt die verpflichtende Information zur Haltungsform.
Trotz Verbot kaufen Kunden Käfigeier im Supermarkt
Die Situation wirkt besonders widersprüchlich. Beim einzelnen Ei schreibt die EU umfangreiche Informationen vor. Kunden können sogar erkennen, aus welchem Land das Ei stammt. Sobald ein Hersteller dasselbe Ei verarbeitet, muss er die Haltungsform auf dem fertigen Produkt nicht mehr nennen. Einige Unternehmen informieren freiwillig darüber. Andere schreiben lediglich „Ei“ oder entsprechende Eibestandteile in die Zutatenliste. Eine Marktbeobachtung der Verbraucherzentrale zeigte außerdem: Gerade bei Markenprodukten wie Feinkostsalaten, Mayonnaise, Saucen oder Fertigkuchen fehlt die Information zur Haltungsform häufig. Selbst wenn Hersteller freiwillig informieren, finden sich die Angaben teilweise unscheinbar in der Zutatenliste.
Wer Käfigeier vermeiden möchte, muss deshalb genauer hinschauen. Bei Bio-Lebensmitteln stammen verwendete Eier aus ökologischer Haltung. Bei konventionellen Produkten helfen freiwillige Angaben wie „Eier aus Bodenhaltung“ oder „Eier aus Freilandhaltung“. Fehlt jede Information, können Verbraucher beim Hersteller nachfragen. Die Verbraucherzentralen fordern seit Jahren eine verpflichtende Kennzeichnung auch für verarbeitete Eier. Bis es eine solche Regel gibt, bleibt die paradoxe Situation bestehen: Deutschland verbietet die Käfighaltung – im fertigen Lebensmittel können Käfigeier trotzdem stecken, ohne dass Kunden davon erfahren.
(Quellen: Verbraucherzentrale, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, EU-Kommission)














