Familien-Konzern aus Baden-Württemberg verlegt Stellen ins Ausland

Konzern mit Arbeitern.
Symbolbild © istockphoto/industryview

Der Freudenberg-Konzern ist ein bekannter Name in Baden-Württemberg, der nun jedoch plant, Stellen ins Ausland zu verlegen. Als Zulieferer verschiedener Branchen, wie der Automobil- und der Maschinenbauindustrie, ist Freudenberg in der Region sehr bekannt und wichtig. Was folgt aus dem geplanten Stellenabbau in der Heimat?

Der in Weinheim ansässige Freudenberg-Konzern plant, Stellen bei seiner Tochtergesellschaft Vibracoustic ins Ausland zu verlagern. Mit über 51.500 Mitarbeitern weltweit zählt die Freudenberg-Gruppe zu den führenden Unternehmen in Baden-Württemberg. Auch deshalb ist die IG BCE-Gewerkschaft umso schockierter von diesen Plänen. Das Familienunternehmen ist nicht nur für die Marke Vileda bekannt, sondern auch als Zulieferer in verschiedenen Branchen tätig, einschließlich der Automobilindustrie. Die Mitarbeiter von Vibracoustic erhielten diese Nachricht nur wenige Wochen vor Weihnachten, was verständlicherweise für Unruhe sorgte.

Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Baden-Württemberg nach Indien und Frankreich

Die Pläne der Freudenberg-Tochter Vibracoustic leiten sich aus der schwierigen Lage der Wirtschaft ab. Diese leidet unter den lang anhaltenden Herausforderungen hoher Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal. Vibracoustic wurde als Joint Venture zwischen Freudenberg und der Phoenix AG gegründet. Seit 2016 ist sie vollständiger Teil des Familienunternehmens aus Baden-Württemberg und stellt Antivibrationssysteme aus Gummi und Luftfedersysteme zur Geräuschreduzierung her.

Die betroffenen Mitarbeiter erhielten erst am 17. November in einer Videokonferenz die Nachricht, dass ihre Arbeitsplätze nach Frankreich und Indien verlagert werden sollen. Die Arbeitnehmervertreter, insbesondere der Betriebsrat von Vibracoustic in Weinheim unter der Leitung von Harald Boch, zeigten sich schockiert über diese Ankündigung. Es wurde jedoch festgestellt, dass man keinen Dialog suchte, um über Alternativen zu sprechen und die Beschäftigung am Standort Weinheim zu sichern.

Kritik an schlechter Kommunikation vonseiten des Mutterkonzerns

Die IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie) kritisiert außerdem die als „stillos“ bezeichnete Kommunikation der Freudenberg-Tochter Vibracoustic. Im selben Zug fordert sie den Mutterkonzern auf, Verantwortung zu übernehmen. Die Entscheidung, Arbeitsplatzverlagerungen in einer Videokonferenz vor versammelter Mannschaft anzukündigen, führte laut der Gewerkschaft zu Verunsicherung und Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern. Gewerkschaftssekretär Max Nothaft betonte zudem vehement die Ablehnung solcher Methoden. Er fordert von der Freudenberg-Gruppe, sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bewusst zu werden.

Die Weltwirtschaftsherausforderungen und die fortlaufende Transformation in der Auto- und Maschinenbaubranche stellen Arbeitnehmergewerkschaften in diesem Jahr vor erhebliche Herausforderungen. Die Situation und gegenwärtige Entscheidung des Freudenberg-Konzerns sind nur ein weiteres Beispiel für die viel kritisierte und schwierige Unternehmensentscheidung in der Automobilbranche im Jahre 2023.