„Will lieber mein Auto“: Immer mehr Bürger verzichten auf ÖPNV

Viele Autos stehen hintereinander in der Innenstadt, einige auf der Suche nach einem Parkplatz. Hunderte Parkplätze sollen jetzt aufgrund einer geänderten Straßenführung gestrichen werden.
Symbolbild © imago/Michael Gstettenbauer

Im Folgenden geht es um einen Trend, mit dem wohl keiner gerechnet hätte. Bürger in Deutschland favorisieren nicht etwa Bus und Bahn, sondern das Auto und verzichten zunehmend auf den ÖPNV. Ein eigenes Auto befriedigt scheinbar doch noch am besten den flexiblen Individualverkehr.

Bürger in Deutschland verzichten auf ÖPNV-Angebote in Städten und fahren stattdessen lieber weiterhin ihren eigenen PKW. Zu dieser erstaunlichen Erkenntnis kam die Uni St. Gallen durch eine Studie. Alternative Mobilitätsangebote können sich also scheinbar doch nicht gegen das gute alte Auto durchsetzen. Die Macht der Gewohnheit gehört neben der Bequemlichkeit zu den Hauptgründe dafür.

Neue Ansätze in der Mobilitätsforschung

Eine Langzeitstudie der Universität St. Gallen, genannt „New Mobility Buddys“, verfolgte das Mobilitätsverhalten von Haushalten in deutschen und schweizerischen Städten. Ziel war es zu untersuchen, wie alternative Mobilitätsangebote die Gewohnheiten beeinflussen können – eine in der heutigen, von der Verkehrswende gezeichneten Zeit, definitiv interessante Idee.

Dabei wurden verschiedene Maßnahmen, wie der Verzicht auf das eigene Auto oder die verstärkte Nutzung von Shared Mobility, evaluiert. Entstehende CO₂-Emissionen wurden ebenfalls berücksichtigt, aber auch die Mobilitätskosten. Die zentrale Frage war, welche Alternativen die besten sind und Bürger am ehesten vom Auto weglocken könnten. Denn scheinbar verzichten die meisten Bürger auf den ÖPNV und fahren vorzugsweise Auto.

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Komfort als Schlüssel zur Akzeptanz alternativer Mobilität

Die Studie zeigte, dass der Erfolg alternativer Mobilitätsangebote stark vom gebotenen Komfort abhängt. Um von den Menschen angenommen zu werden, müssen diese Angebote ähnlich bequem und emotional ansprechend sein wie die Nutzung des eigenen Autos – ein sicherlich schwieriges, doch eigentlich kein unmögliches Unterfangen. Emissionsreduktion und finanzielle Einsparungen allein genügen nicht, um das Mobilitätsverhalten signifikant zu verändern. Die Forscher stellten allerdings fest, dass Einheitslösungen die vielfältigen Bedürfnisse der Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigen.

Stattdessen sind differenzierte Ansätze erforderlich, um neue Mobilitätsangebote attraktiv zu machen. Interessanterweise waren viele Haushalte zu Beginn der Studie unsicher über ihre tatsächlichen Mobilitätskosten, was jedoch ein wichtiger Faktor bei der Verkehrsmittelwahl ist. Transparente Informationen über Mobilitätskosten können enorm dazu beitragen, das Mobilitätsverhalten in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Doch ob und wann das passiert, steht natürlich in den Sternen. Die Studie hilft zumindest, die bisherige Entwicklung besser nachzuvollziehen.