„Sehr wertvoll“: Erste Friseure schmeißen Haarreste nicht weg

Boden eines Friseursalons mit viel abgeschnittenem Haar und Papiertüchern.
Symbolbild © istockphoto/Faiz Zakiy Yamani

Wertvolle Erfindungen bringen die ersten Friseure dazu, Haarreste nicht wegzuwerfen. Mit dieser einfachen Lösung kann das Ökosystem geschützt werden.

Viele Menschen sind regelmäßig darauf angewiesen, alle paar Wochen oder Monate einen Friseur zu besuchen. Es ist daher nicht überraschend, dass dabei beträchtliche Mengen an abgeschnittenem Haar entstehen. In Deutschland fallen jährlich etwa 40.000 Kubikmeter an – das entspricht ungefähr 222.000 Badewannen, die bis zum Rand mit Haaren gefüllt sind. Aufgrund einer wertvollen Erfindung fangen nun die ersten Friseure an, ihre Haarreste wiederzuverwerten.

Haare und Kompressionsstrümpfe als Ölfilter in Gewässern

Haare werden von vielen als wertvolle, natürliche Ressource, die natürlicherweise Fette aufnehmen, übersehen. Sie sind äußerst effektiv, um unsere verschmutzten Gewässer von Ölrückständen zu säubern. Dieser Gedanke kam auch der Kieler Friseurin Janine Falke. Als sie gezwungen war, aufgrund der Corona-Beschränkungen vorübergehend ihren Salon zu schließen, begann sie sich mit dem Konzept des Haarrecyclings zu beschäftigen. Ihre Idee bestand darin, gewaschene und abgeschnittene Haare in Wasserfilter umzuwandeln. Aber Falke beschränkte sich nicht nur auf Haare. Sie verwertet auch Kompressionsstrümpfe, die als medizinisches Produkt ein Ablaufdatum haben und normalerweise ungenutzt entsorgt werden. Diese nutzt sie für ihre sogenannten „FettFressHair-Ketten“, die dazu dienen Ölverschmutzungen in Gewässern aufzunehmen.

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Schadstoffsammler aus Haarresten zum Schutz des Ökossystems

Diese Schadstoffsammler kommen an zahlreichen Standorten zum Einsatz, zum Beispiel in offenen Gewässern, Hafenbereichen oder an Tankstellen für Motorboote, wo es zu Verschmutzungen mit Öl im Wasser kommen kann. Viele nutzen diese auch in Abflüssen oder Rückhaltebecken für Regenwasser. Manche installieren den Schadstoffsammler sogar vorbeugend, um kleine Öllecks, wie beispielsweise von Booten, aufzufangen. Sogar Mikroplastik, das unter anderem durch den Abrieb von Autoreifen entsteht, erhält besondere Aufmerksamkeit von der Friseurin. Öl und Sonnencreme haben schlimme Auswirkungen auf das Ökosystem. Die Filter aus Haaren sollen dazu beitragen, das Wasser sauber zu halten und gesunde Ökosysteme zu erhalten. Bei den Vorbildprojekten „Matter of Trust“ und „Coiffeurs justes“ in den USA und Frankreich nutzten die Verantwortlichen die Filter langfristig. So konnten weniger Schadstoffe ins Meer gelangen, was gut für das Ökosystem war. Um das Projekt auszuweiten, ist jede Haarspende von großer Bedeutung, wie Falke betont. Derzeit verarbeiten 30 Friseursalons in Kiel ihre Haarreste.