Stadt will traditionelle Kneipe schließen: „Könnte nicht die Einzige sein“

Leere Stühle an einem Kaffeehaus.
Symbolbild © istockphoto/J2R

Eine deutsche Stadt will eine Gaststätte mit langjähriger Geschichte dichtmachen – und das könnte erst der Anfang sein. Deshalb muss die traditionelle Kneipe schließen.

Die traditionelle Kneipe hatte seit Jahrzehnten viele Stammgäste, aber jetzt muss sie schließen. In einem Film könnte die Begründung dahinter lustig sein – aber leider ist dies bittere Realität. Es scheint, als seien willkürliche Gesetze sowie Streite um Begrifflichkeiten in Deutschland außer Kontrolle geraten. Das Schlimmste daran: Die Pedanterie könnte bald noch viele weitere Gaststätten betreffen.

Stadt macht Kneipe dicht

Die Gäste sind sprachlos, die Betreiber wissen nicht mehr weiter. Ihr Lebensprojekt wird ihnen entzogen, und das aufgrund von neu ausgelegten Formulierungen. Aber eins nach dem anderen.

Die beliebte Kneipe, um die es geht, liegt in der Landmannstraße in Köln-Ehrenfeld. Seit vielen Jahren treffen sich die Menschen hier auf ein paar Bier, zum Plaudern und Musikhören. Nie hatte irgendwen etwas daran gestört. Doch auf einmal sieht sich die Stadt Köln in der Pflicht, das „Schulz“ zu schließen. Sie habe keine andere Wahl.

Obskure Begründung

Wenn eine Bäckerei nach 700 Jahren wegen finanzieller Probleme dichtmachen muss, ist das eine traurige Nachricht. Allerdings steht im Falle des „Schulz“ eine wahnwitzige Begründung dahinter – die nun auch andere Kneipen um ihre Existenz bangen lässt. Werden sie die nächsten sein? Die Gäste können zumindest noch nicht richtig glauben, dass das „Schulz“ schon Ende Juni schließen muss.

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Der Stadt Köln seien in dieser Entscheidung die Hände gebunden, weil die Baugenehmigung für das „Schulz“ aus dem Jahr 1988 sich folgendermaßen liest: „Weinladen-Bistro mit Musik vom Kassettenrekorder und Tischgesprächen in Zimmerlautstärke“. So weit, so gemütlich. Wo genau liegt jetzt das Problem? Inzwischen – wer kann es ihnen verübeln? – kommt die Musik in dem Lokal nicht mehr aus dem Kassettenrekorder, sondern aus etwas zeitgemäßeren Lautsprechern. Genau dafür habe das „Schulz“ aber keine Genehmigung.

Bürokratie-Monster

Die Betreiber hätten wohl die Möglichkeit erhalten, einen neuen, der heutigen Zeit entsprechenden Bauantrag zu stellen. Dieser ist bislang nicht eingegangen. Ob sich die Geschäftsführer überfordert oder einfach veräppelt fühlen, ist nicht bekannt. Der Skandal bleibt dennoch der gleiche: Jahrelang gab es keine Beschwerden über die traditionelle Kneipe, die jetzt schließen muss. Und auf einmal handelt es sich laut Aussage der Stadt um einen illegalen Betrieb. Manchmal kann man über das deutsche Bürokratie-Monster und die Menschen, die es täglich füttern, wirklich nur noch den Kopf schütteln.