Nach Hundeattacke: PETA fordert Hundeführerschein in Baden-Württemberg

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Karlsruhe-Insider / Ellwangen (dpa/lsw): Ein drei Jahre altes Mädchen ist auf einem Campingplatz in Ellwangen (landkreis Aalen) von einem Hund gebissen und schwer verletzt worden.


Der Australian Shepherd hatte das Kleinkind nach Angaben der Polizei vom Dienstag im Nacken gepackt, als es beim Spielen in Richtung des angeleinten Hundes gefallen war.

Der Lebensgefährte der Besitzerin ging am Montag dazwischen und wurde selbst in die Hand gebissen. Die Familie des Mädchens war mit dem Paar gemeinsam auf dem Campingplatz. Lebensgefährlich waren die Verletzungen des Mädchens nicht.

PETA REAGIERT DARAUF HIER EIN AUSZUG:

Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierschutzorganisation PETA umgehend die Einführung eines Hundeführerscheins in Baden-Württemberg.

„Viele Halter können ihre Vierbeiner nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Dass der Hund das Mädchen ungehindert angreifen und schwer verletzen konnte, war fahrlässig und verantwortungslos“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein Mix ist.“

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend [1]. Dort ereigneten sich nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle [2]. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist ebenfalls dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge spricht sich mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit der Deutschen für einen Sachkundenachweis für Hundehalter aus [3]. Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben.