Corona: Immer mehr Schulen schließen wieder in Baden-Württemberg

Symbolbild

ka-insider (dpa) – Nach nur einer Schulwoche muss der Großteil der Schülerinnen und Schüler im Südwesten ab Montag wieder zurück in den Corona-Lockdown und von zu Hause aus lernen.

Etwa drei Viertel der Stadt- und Landkreise liegen über dem kritischen Schwellenwert von 165 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche, ab dem von Montag an Schulen und Kitas größtenteils geschlossen werden müssen. Bisher galt im Land ein Grenzwert von 200, nun greift die Notbremse des Bundes. Das heißt, dass der Lockdown an Schulen seit der Woche vor Weihnachten nach nur kurzer Unterbrechung weitergeht. In weiten Teilen Südbadens dürfen viele Schulen dagegen wegen niedrigerer Inzidenzen geöffnet bleiben.

Die SPD und die Lehrergewerkschaft GEW warfen der grün-schwarzen Landesregierung vor, Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte in dieser dramatischen Lage alleinzulassen. Ministerin Susanne Eisenmann sei nach ihrem Scheitern als CDU-Spitzenkandidatin eigentlich von Bord gegangen, sagte SPD-Chef Andreas Stoch am Freitag der Deutschen
Presse-Agentur in Stuttgart. «Es kann nicht sein, dass das Kultusministerium für zwei Monate zum Geisterschiff wird.» Es sei der «Gipfel der Verantwortungslosigkeit», 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und 120 000 Beschäftigte sich selbst zu überlassen.

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Am Freitagnachmittag meldete sich Eisenmann per Pressemitteilung zu Wort und erläuterte die Folgen der Notbremse. So müssen sich Kinder und Jugendliche im Präsenzunterricht von kommender Woche an zweimal die Woche testen lassen. «Bislang war es bei Wechselunterricht in Baden-Württemberg möglich, lediglich einen Test vorzunehmen, wenn die Anwesenheit maximal drei Tage pro Woche betrug», erklärte die scheidende Ministerin. Eisenmann dankte den Leitungen der Schulen und Kitas, «die immer wieder neu planen müssen, den Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern, die sich unermüdlich für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzen».

GEW-Landeschefin Monika Stein kritisierte das Land, weil es die Öffnung bis zu einer Inzidenz 200 erlaubt hatte, was jetzt schon wieder geändert werden musste. «Mehr Chaos geht nicht. Mehr Organisationswahnsinn geht nicht. Und vor allem: Mehr Frust bei
Kindern und Jugendlichen geht nicht», sagte Stein der dpa. Denen habe man vorgegaukelt, man könne die Schulen öffnen, obwohl man schon gewusst habe, dass sie vielerorts bald wieder schließen müssen.

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Nach Zahlen des Landesgesundheitsamts liegen rund 30 der 44 Stadt- und Landkreise über der Inzidenz von 165 und müssen die Schulen wieder schließen. Ausnahmen soll es weiter für die Notbetreuung, Abschlussklassen sowie die sonderpädagogischen Bildungs- und
Betreuungseinrichtungen (SBBZ) geben. Verschont von den Schließungen bleiben Kreise in Südbaden: In Breisgau-Hochschwarzwald, Freiburg, Emmendingen, Lörrach und Waldshut lagen die Inzidenzen entweder unter 100 oder knapp darüber.

Erst vergangenen Montag waren Hunderttausende Schülerinnen und Schüler nach über vier Monaten im Lockdown in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt – allerdings nur mit Maske, Abstand und einem negativen Testergebnis. Doch schon da lagen elf Kreise über der Inzidenz von 200 und konnten die Schulen nicht öffnen. Während der Woche kamen noch weitere Kreise hinzu, die die Öffnung rückgängig machen mussten.

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Zudem sei es höchste Zeit, jetzt die Weichen dafür zu stellen, dass im kommenden Schuljahr die Folgen der Corona-Krise aufgearbeitet werden könnten – sowohl schulisch als auch psychisch und sozial. «Da muss man jetzt rekrutieren.» Es gelte ein Assistenzsystem aufzubauen. Man brauche im kommenden Schuljahr etwa zwei Assistenten pro Schule,
also etwa 10 000 Hilfskräfte. Das könnten Lehramtsstudierende, Referendare oder andere pädagogisch Ausgebildete sein. Auch Stein forderte zusätzliche Ressourcen für die Schulen. «Da muss Geld in die Hand genommen werden.»