„Eine Katastrophe“: Streit um Schulöffnungen in Baden-Württemberg

schüler in einem klassenzimmer während der corona-zeit
Symbolbild © istockphoto/Drazen Zigic

Karlsruhe-Insider (dpa/lsw) – Die Öffnung der Schulen zu Wochenbeginn ist nach Überzeugung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ein großer Fehler gewesen.

«Das wäre vermeidbar gewesen», sagte der baden-württembergische VBE-Landesvorsitzende, Gerhard Brand, am Freitag in Stuttgart. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiert den Zeitpunkt für den Neustart.

«Es hätten zunächst die Voraussetzungen für einen sicheren Unterricht erfüllt werden müssen», sagte die stellvertretende Landesbezirksleiterin, Hanna Binder, der dpa. «Das wurde zu schnell umgesetzt und auch die Maskenpflicht an den Grundschulen kam viel zu spät.»

Nach wochenlangem Corona-Lockdown waren Fünft- und Sechstklässler am Montag in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Zudem waren die Grundschulen vom Wechselunterricht in den Regelbetrieb übergegangen. Schüler von der siebten Klasse an bleiben – mit Ausnahme der Abschlussklassen – bis nach den Osterferien im Fernunterricht. Im Gegensatz zu den Fünft- und Sechstklässlern müssen die Grundschüler keine Masken tragen.

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Nach Überzeugung des VBE hat die Landesregierung ignoriert, dass die grassierende britische Mutation als deutlich gefährlichere und aggressivere Variante im Land unterwegs ist. «Da hätte man handeln müssen», sagte der Landesvorsitzende Brand. «Die Lehrer haben uns in einer Umfrage wissen lassen, dass sie Angst haben zu unterrichten», fügte er hinzu. Es fehle an den Grundschulen zudem das Personal, um die Klassen zu teilen. «Die Impfstrategie des Landes hat sich als Katastrophe entpuppt. Fast alle Kollegen zeigen ein Unverständnis.» Die Umfrage sei wegen der nicht ausreichenden Zahl an Rückmeldungen zwar nicht repräsentativ, sie spiegele aber eine eindeutige Tendenz wider.

Außerdem sollten Lehrerinnen und Lehrer nach Ansicht des VBE nur unterrichten dürfen, wenn sie ausreichend vor dem Coronavirus geschützt sind. «Ohne Impfungen keine Schulöffnung», sagte Brand. «Nur wer geimpft ist, sollte in der aktuellen Pandemie-Situation unterrichten, alles andere ist unverantwortlich.»

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In Baden-Württemberg können sich Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte impfen lassen – egal, an welcher Schule sie unterrichten und ob sie bereits wieder in Präsenz an der Schule sind. Sie erhalten allerdings den Impfstoff von Astrazeneca, der in den vergangenen Tagen vorsorglich nicht gespritzt wurde.

Die Kultusministerien der Länder sind dagegen überzeugt, dass die Schulen in Deutschland so lange wie möglich offengehalten werden müssen. Dabei sollten Lehrkräfte im Präsenzunterricht zugleich Vorrang beim Impfen bekommen. Auf diese gemeinsame Position haben sich die Ministerinnen und Minister bei Beratungen in der Kultusministerkonferenz (KMK) verständigt, wie aus einem am Freitag veröffentlichten Beschluss hervorgeht.

«Für die Kinder und Jugendlichen ist der Schulbesuch für ihre weitere Bildungsbiografie von entscheidender Bedeutung», sagte die brandenburgische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Britta Ernst (SPD). Viele litten unter der Pandemiesituation. «Damit die Folgen
nicht dauerhaft ihr Leben begleiten, liegt die Priorität der Kultusministerinnen und Kultusminister darauf, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.»