Lockdown: Das wird jetzt auch Verboten in Baden-Württemberg

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Karlsruhe-Insider (dpa/lsw) – Die Abholung von Waren bei stationären Einzelhändlern wird in Baden-Württemberg während des harten Corona-Lockdowns von diesem Mittwoch an bis zum 10. Januar mit wenigen Ausnahmen verboten.

Die Händler dürfen vorbestellte Artikel aber immerhin selber ausliefern oder ausliefern lassen, wie das grün-schwarze Kabinett am Dienstag in Stuttgart beschloss.


Man wolle lange Schlangen vor den Geschäften und damit zusätzliche Kontakte unbedingt vermeiden, sagte ein Sprecher der Landesregierung am Dienstag zu dem Verbot des sogenannten Click&Collect-Service.

Der Handelsverband Baden-Württemberg reagierte erzürnt – und wollte sich zunächst nicht mit dieser Entscheidung abfinden. «Wir brauchen den Click&Collect-Service dringend, das muss nachgearbeitet werden», sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Sabine Hagmann, der Deutschen Presse-Agentur. Tausende Waren – etwa Bücher – seien bei stationären Händlern zur Abholung vorbestellt worden, und die könnten jetzt nicht an den Mann gebracht werden.

«Es ist unglaublich, dem Mittelstand diese Möglichkeit zu verwehren», sagte Hagmann. Das allein sorge für einen riesigen wirtschaftlichen Schaden. Die Menschen seien sowieso in den Städten unterwegs, etwa für Besuche in Apotheken oder Lebensmittelmärkten. Es spreche nichts dagegen, dass diese Menschen dann vorbestellte Waren wie Bücher oder Elektronikartikel bei anderen Händlern abholten. Die alternativ von der Regierung ins Gespräch gebrachte Lieferung von Artikeln sei teuer und aufwendig zu organisieren. Von vielen Kunden hätten die Händler oft gar keine Telefonnummern oder Mailadressen.

Im Zuge des Lockdowns müssen die meisten Händler – mit Ausnahme etwa von Lebensmittelgeschäften – schließen. Vor allem das Wirtschaftsministerium hatte sich jedoch für Abholangebote stark gemacht. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU)
erklärte, es werde immerhin Abholmöglichkeiten für Handwerker und die gewerbliche Wirtschaft geben. Was genau darunter fällt und wie etwa Handwerker Nachweise erbringen sollen, um Ersatzteile für eine Waschmaschine aus dem Baumarkt abholen zu dürfen, sei noch offen, hieß es. Zuvor hatte der SWR über das Click&Collect-Verbot berichtet.

Der Handel fürchtet angesichts des Lockdowns eine Insolvenzwelle in noch viel größerem Umfang als bisher prognostiziert. Noch zuletzt war der Verband von rund 6000 coronabedingten Geschäftsschließungen und Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren ausgegangen. Doch der neue Lockdown werde die Lage nochmals verschärfen. «Die Zahl wird sich auf jeden Fall deutlich erhöhen», sagte Hagmann. Im schlimmsten Fall
müsse man mit einer Verdopplung auf rund 12 000 Schließungen und Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren rechnen. Das gelte vor allem dann, wenn die Händler nicht schnell ausreichende staatliche Hilfen bekämen.